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Arbeiten in England

20. Februar 2009 Roland

Immer wieder werde ich gefragt wie es sich in England so arbeiten lässt. Und da England ein großes Land ist und die Unternehmen ziemlich unterschiedlich sind, kann man wohl kaum eine pauschale Aussage machen. Also werde ich jetzt einfach mal von meinem Arbeitsplatz hier berichten.

Ich bin im Moment in einer Unternehmung beschäftigt, die die IT-Infrastruktur für eine grosse Firma betrieben wird. Unsere Aufgabe ist es, mit so wenig wie möglich Kosten so viel wie möglich aus den bestehenden IT-Systemen herauszuholen. In so einem Betrieb arbeiten Menschen, die jeden Tag die gleiche Arbeiten durchführen können. Ein Operator liebt es morgens an seinen Arbeitsplatz zu kommen und den Tag über wohl strukturierte Tätigkeiten durchzuführen.

Ich selbst würde bei so einer Arbeit eingehen, aber es ist ungeheuer wichtig Operators zu haben. Denn wenn unser Internet eines Tages nicht mehr funktioniert, dann werden wir unsere Operators wieder schätzen lernen. Die Jungs und Mädels machen es uns möglich tagelang ohne Unterbruch zu serven.

Mein Job ist nach Kostentreibern zu suchen und wenn möglich die Arbeitsabläufe zu optimieren.
Und da ich die Kostentreiber nur finden kann, wenn ich mich in die einzelnen Arbeitsabläufe eindenke, sitze ich einfach mitten in ein Büro hinein und arbeite ein paar Tage mit den dort ansässigen Kollegen mit.

Ein Standardarbeitsplatz

Jetzt sitze ich an einem Standardarbeitsplatz. Das ganze Büro hat mehrere hundert Quadratmeter. Die einzelnen Arbeitsplätze sind, wie in amerikanischen Filmen, mit Trennwänden abgegrenzt.
Jeder Mitarbeiter hat einen Schreibtisch, einen Stuhl und ein- bis zwei Rollschränke.
Etwa 50m hinter mir ist eine Fensterwand. Das bedeutet, dass ich den ganzen Tag mit Leuchtstoffröhrenlicht arbeite.
Klingt ziemlich gruselig gelle?

Lässt sich da arbeiten?

Nach ca. zwei Wochen habe ich mich lustigerweise daran gewöhnt. Die Stimmung ist sehr freundlich und ruhig. Es gibt keine Schreiereien und die Mitarbeiter sind alle sehr “polite” zueinander. Das Leuchtstoffröhrenlicht gefällt mir nicht. Über den Mittag mach ich draussen lange Spaziergänge, bei denen ich zum Beispiel solche Blogeinträge schreibe.

Was macht der gemeine Engländer so?

Die Kollegen bleiben meist den ganzen Tag vor ihrem Rechner sitzen. Meine direkten Kollegen habe ich dazu erzogen mit mir wenigstens die 150m zum Supermarkt zu gehen. Dort kaufen sie sich dann ein Sandwich und eilen zu ihrem Computer.
Kaum am Computer angekommen wird getippt und nebenher gefuttert. Das habe ich schon beim Studium furchtbar gefunden. Es kommt durchaus vor, dass jemand sein Hähnchenschlegel abnagt und nebenher tippt. Wenn man sie darauf anspricht, geben sie zu dass es sich hierbei um eine sehr ungesunde Vorgehensweise handelt.
Ein paar Kollegen haben sogar ein schlechtes Gewissen bekommen und nagen seit Wochen nur noch an Obst herum. 😉
Aber im Großen und Ganzen leben die Engländer während des Tages fern vom Tageslicht in ihren Cubicells. Abends springen sie dann ganz schnell in ihr Auto und düsen nach hause.
In der Schweiz hat man es öfters mal, dass man mit den Kollegen noch ein Feierabendbier nimmt. Im Schwarzwald auch. Hier ist das weniger üblich. Einmal im Monat treffen sich die Kollegen in einem Pub. Dort gibt es dann von der Firma gesponsertes Bier. Und da wird dann getrunken und gelabert.

Ist das Verhalten schlimm?

Ich würde sagen nein. Die Kollegen sind nunmal wie sie sind. Sie haben sehr geregelte Arbeitsabläufe. Ihr ganzes Verhalten ist auf diese Abläufe ausgerichtet. So wie ich dass hier sehen kann, sind die Mitarbeiter glücklich mit dem was sie tun. Als Störenfried vom Kontinent kann man sich hier recht gut eingliedern und muss nicht vereinsamen.
Wenn man auf die Kollegen zu geht, findet man auch schnell mal jemanden für Abendaktionen. Und wenn einem die Kollegen nicht zusagen, springen ja noch andere Menschen auf der Straße herum. Man muss sie nur ansprechen. 😉

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 20. Februar 2009 um 00:05 Uhr veröffentlicht und wurde unter einfach so, mit dem Kurzlink
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