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Baustelle: Wanddurchbruch in bewohnter Wohnung

28. Oktober 2008 Ute

Ich erwähnte ja schon, dass wir da einen Umbau, also eine größere Baustelle anfingen. Unser Ziel war und ist zwei Wohnungen zusammenzulegen und anders zu nutzen. Da wir inzwischen auch nur noch zu zweit sind, denn Rüdi ist jetzt in Palästina und will nächstes Jahr nicht wieder hier einziehen, gab es eine deutliche Umstrukturierung und Aufteilung. Hinzu kam, dass wir nach neun Jahren hier, sowieso noch manches ändern wollten, was nicht mehr perfekt war. Unglücklicherweise haben wir keinen Goldesel, sonst hätte ich die Idee, wir ziehen mal einige Zeit ins Hotel und gehen nur zur Baustelle, wenn es grad Spaß macht, richtig gut gefunden.

Stattdessen gabs jetzt halt wohnen und Baustelle gleichzeitig. Nicht gerade meine Traumversion, aber besser als die bisher nicht selbst genutzte Wohnung jetzt zwischenzuvermieten und zu warten, bis wir uns den Umbau mit vielen Handwerkern und Hotel leisten könnten. Unter uns ist ein Friseurgeschäft, damit dort weitergearbeitet werden kann, planen wir alle größeren Aktionen an den Tagen ein, an denen dort geschlossen ist. Die ersten Wände fielen deshalb an einem Samstag.

Zunächst muss natürlich alles ausgeräumt werden, eventuell nicht betroffene Bereiche werden sorgfältig staubgeschützt. In unserem Fall war es ja eine bewohnte Baustelle. Ein Raum im oberen Stockwerk und zwei im unteren Stock wurden deshalb sorgfältig mit mehreren Schichten Folie und Klebband abgedichtet. Wir fingen im oberen Stock an und entfernten alle Wände, die raus sollten. Den Bauschutt ließen wir auf einem Haufen liegen, da wir erst am Montag einen Container bestellt hatten. Vor unserem Haus, der einzig sinnvollen Stelle für den Container, ist ein öffentlicher Gehweg. Selbst wenn der Container diesen nicht versperrt, darf der Container nicht länger dort stehen. Samstags werden Container auch nur bis mittags abgeholt, deshalb bot es sich an, allen Schutt am Montag wegzuräumen.

Am darauf folgenden Montag kam der Container natürlich bereits um halbacht, statt um acht und nur mit Mühe ließ sich der Fahrer doch noch dazu bewegen nicht Geh- und Radweg inklusive Bushaltestelle zu sperren. So ein Container kann richtig gestellt allen Fußgängern, Radfahrern und Passanten ausreichend Platz lassen, um ihrer Wege zu gehen. Falsch gestellt versperrt das Ding alles und wäre auch nur mit Mühe zu beladen.

Anschließend wurde zunächst die geliehene Schuttrutsche installiert. Wie es bei Baustellen so üblich ist, passte nicht alles auf Anhieb und einer musste in den nächsten Baumarkt fahren, um noch Befestigungsmaterial zu organisieren. Wir haben uns einige Helfer geholt, deshalb konnte die Arbeit aufgeteilt werden. Der Container wurde abgedeckt, zuweilen umgeräumt, es wurde geschaufelt und geschüttet… An anderer Stelle gabs ein Loch in der Decke und es fielen die restlichen Wände. Ich war überwiegend mit organisieren beschäftigt, Essen besorgen, Getränke, Telefonate, zwischendurch hier und da mit anfassen.

Wie Baustellen so sind, es klappt nichts auf Anhieb und erstmal scheint alles nicht so zu funktionieren, wie erhofft. Bei der Containerbestellung wollte ich ursprünglich einen großen Container, mir wurde abgeraten, zwei kleine seien leichter zu stellen und zu beladen. Montagmittag versuchte ich den empfohlenen zweiten Container zu bestellen, als der erste voll war.  Tja, nicht ganz so einfach. Die Telefonnummer fehlte, alle Telefonbücher und Rechner waren im staubsicheren Raum. Das Telefon war sowieso abgehängt und mein Mobile war natürlich auch im staubsicheren Raum. Nun gut, wozu hat man Freunde, da konnte ich hinfahren, da gabs ein Telefonbuch, ein Telefon und sogar noch Kaffee. Ich rief bei der Containerfirma an:

“Jetzt rufen Sie an, viel zu spät!” “Ich wollte den Fahrer schicken, ich rief sogar auf Ihrem Handy an, aber sie gingen ja nicht ran.” “Nein, heute wird das wohl nichts mehr mit dem zweiten Container, abholen auf keinen Fall und wohl auch stellen wird nicht mehr klappen.”

Ich diskutierte freundlich aber recht deutlich, erwähnte dass der zweite Container nicht meine Idee war, erzählte etwas von Baustelle und Baustaub, die nun einmal das Telefonieren nicht immer zulassen… Sie versprach mir für diesen Tag nichts, am Dienstag holen und neu stellen sei jedoch sicher. Wir hatten heute Helfer, schon nicht ganz einfach tagsüber an einem Montag, aber unangekündigt für einen Dienstag, da hätte wohl niemand Zeit… Für das Deckenloch waren noch diverse Zusatzdinge nötig, die nicht auf Anhieb absehbar waren: Sprieße, Schaltafeln und Kanthölze. Bei mir lösten diese Begriffe zunächst nur Erstaunen aus, ich hatte keine Ahnung was das war und nur eine sehr vage Vorstellung wozu es gut ist, noch wusste ich woher ich das mal eben ausleihen könnte.

Mein Einfallsreichtum ist meist ganz gut, nach einigen Anfragen und Telefonaten hatte ich eine Quelle für all dieses Zeug. Wegen meines recht kaputten Rückens sollte ich nicht allzu schwer tragen, sonst kann ich anschließend einige Tage kaum aufstehen, also brauchte ich jeweils einen Helfer zum Transport. Große Jungs sind ja praktisch zum Ein- und Ausladen, im Gegensatz zu mir, wirds denen in einem kleinen, alten Golf je nach Ladung doch sehr eng. Aber irgendwie passten sie rein und konnten auch wieder aus dem Auto befreit werden.

Wieder Zuhause angekommen, sah ich erleichtert einen neu gestellten Container, geleert würde er nicht mehr heute, aber das war nicht so schlimm. Dank der Rutsche und vieler Hände war gegen sieben der Bauschutt aus der Wohnung. Gut eine Stunde später war das Treppenhaus wieder so, dass die Nachbarn noch weiter mit uns sprechen würden, eine weitere Stunde später war zumindest im unteren Stockwerk das Betreten zweier Räume möglich, wir hatten also ein Bad und einen Raum mit Bett.

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Der Beitrag wurde am Dienstag, den 28. Oktober 2008 um 00:02 Uhr veröffentlicht und wurde unter baustelle, einfach so, mit dem Kurzlink
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2 Reaktionen zu “Baustelle: Wanddurchbruch in bewohnter Wohnung”

  1. Jakob sagt:

    Naja, es hat ja dann noch geklappt. 😉 Viel Glück weiterhin.

    Gruß
    Jakob

  2. Ute sagt:

    Inzwischen sind wir soweit, dass alles tapeziert und gestrichen ist. Aber anders als bei einem Fertighaus, haben wir nahezu alles selbst gemacht und auch genau auf uns angepasst.

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