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Du willst mehr Bürgerbeteiligung, aber…?
17. Februar 2012 ute
Du willst mehr Bürgerbeteiligung, finde ich persönlich auch prima. Bei mir im Stadtteil gab es aber ein Platzgestaltungs-Projekt mit viel Bürgerbeteiligung bei dem die Bürger dann den Fahrradweg vergessen haben, der da vorher war. Wie verhindert man sowas?
Ich bin mir nicht sicher, ob du mich wirklich fragen wolltest, aber ich antworte mal…
Für mich ist es wichtig Bürger zu beteiligen, aber nicht allein zu lassen. Selbstverständlich brauchen auch Projekte mit Bürgerbeteiligung Fachleute, die auf notwendige Rahmenbedingungen achten.
Ein fehlender Fahrradweg ist sicherlich auch schon professionellen Stadtplanern passiert. Bei uns wurde von Stadtplanern mal eine Entschleunigungsstelle gebaut, die sehr schnell wieder abgerissen werden musste weil der Linienbus, der dort alle halbe Stunde fuhr nicht mehr durchkam.
Wenn Fachleute und Bürger gemeinsam auf ein Projekt schauen ist die Chance hoch, dass vieles berücksichtigt wurde. Damit wächst die Zufriedenheit bei allen Beteiligten.
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am Freitag, den 17. Februar 2012 um 09:57 Uhr veröffentlicht
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2 Reaktionen zu “Du willst mehr Bürgerbeteiligung, aber…?”
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Ich finde ja das Stichwort “Entschleunigungsstelle” sehr interessant. Allerdings interpretiere ich es jetzt mal komplett anders als Du es oben im Text getan hast. Wie wäre es, wenn man im Rathaus eine Entschleunigungsstelle hätte, die Projekte zwischen Fachlichkeit, Politik und dem Bürger moderiert? Diese Stelle sollte neutral sein, also keiner der beteiligten Parteien angehören (und demzufolge auch niemandem verpflichtet sein). Dieses “Referat” sollte alle Projekte anschauen, fachlich prüfen und evtl. Versäumnisse (Stichwort: Fahrradweg) aufzeigen. Sie sollte, wenn möglich, durchaus auch Vorschläge machen, die ein Problem lösen.
Zweiter Gedanke, eine komplett andere Baustelle: Immer wenn es um “Bürgerbeteiligung” geht, dann denke ich zurück an eine Phase aus unseren Tanzsportverein. Der Verein war seinerzeit ein alteingesessener Verein mit fixen (um nicht zu sagen verkrusteten) Strukturen. Über die Jahre überalterte die Mitgliederschaft. Bitte nicht falsch verstehen, ich habe nichts dagegen, dass alt und jung was zusammen macht, im Gegenteil! Was ich meine ist, dass damals immer mehr Mitglieder zu passiven Mitgliedern wurden oder austraten, weil sie eben nicht mehr tanzen konnten. Allmählich geriet der Verein in immer größere finanzielle Schieflage. Wir standen quasi vor dem Aus. Wenn man sich umhörte im Verein, dann waren sich alle einig, dass was passieren musste. Gleichzeitig wollte sich aber niemand engagieren. Immerhin haben wir damals zwei “Tage der offenen Tür” veranstaltet. Glücklicherweise kamen durch diese Aktionen so viele neue und junge Mitglieder in den Verein, die tanzen wollten und die sich trotz zeitaufwändigen Studiums (oder anderen Aufgaben) auch im Verein engagierten. Kurz: Zwei, drei Jahre später stand der Verein viel besser da. Schulden waren nicht komplett getilgt, aber wir hatten einen Plan, der abgearbeitet wurde und der Erfolge zeigte. Und die Stimmung im Verein veränderte sich zusehends. Eine positive Zukunft hatte begonnen! Nur einige der alten “Stinkstiefel” (seltsamerweise nicht die Alten, sondern eher die mittleren Altersstufen) verloren die Lust, wurden passiv oder traten aus.
Und die Moral von der Geschicht’: Beteiligung ist prima, aber sie braucht tätige, aktive Bürger, die bereit sind, ihre Umgebung zu gestalten. Weggucken und gleichzeitig auf “die Politik” schimpfen ist so 1992.
Markus Sowada(Kommentar zitieren)
Sicherlich wäre auch etwas in der Richtung eine sinnvolle Idee. Manches wird zu schnell durchgedrückt, anderes wird gegen den Willen der Bürger realisiert, weil sie gar nicht die Chance hatten mitzukommen.
Wie eine solche Stelle neutral sein könnte, da fehlt mir gerade noch eine Idee, aber dafür ließe sich voraussichtlich eine Lösung finden.
Ja, deine Tanzsportvereinerfahrungen kommen mir ebenfalls sehr bekannt vor. Oft wird zuviel Energie ins Jammern gesteckt, statt einfach mal was auszuprobieren und zu sehen, ob sich damit nicht etwas bewegen lässt.
Tätige, aktive Bürger gibt es jedoch nur, wenn diese die Chance sehen, dass ihre Beteiligung auch etwas bewirken kann. Dafür muss sowohl die Politik etwas tun, als auch die Menschen selbst.
Ute(Kommentar zitieren)