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I schwätz konschtanzerisch, nicht hochdeutsch : Dialekt im Alltag

18. März 2009 Ute

So ab und zu habe ich ja schon mal einen Artikel im Dialekt veröffentlicht, meist vor allem zur Fastnacht 2008 und 2009. Ich fürchte, dass nicht alle Leser dem Geschriebenen dann noch folgen können, denn selbst für mich ist das Lesen im Dialekt nicht ganz einfach. Beim Lesen bin ich nun einmal hochdeutsch gewohnt. Auch zum Schreiben eines Artikels brauche ich im Dialekt deutlich mehr Zeit als in Schriftsprache.

Andererseits finde ich es schade, dass Dialekte immer mehr verschwinden, denn sie haben ja schon auch was ganz eigenes und anderes. Deshalb passt für mich die Blogparade Dialekte natürlich hervorragend. Teilnehmen dürfen selbstverständlich auch Österreicher und Schweizer, die ihren Dialekt, bzw. ihre Sprache vorstellen möchten, Zeit ist bis zum 10. April. Benjamin aus Klingenthal (da fällt mir doch sofort Skispringen ein) will Antworten auf einige Fragen:

Sprecht ihr immer sauberes Hochdeutsch, oder redet ihr etwa immer in eurem Dialekt?

Früher wie auch heute, ist für mich der Dialekt der Normalfall. Zunächst: “ i schwätz konschtanzerisch“,immer und überall, sofern ich mich mit  deutschsprachigen Menschen unterhalte. Allerdings kann ich das nicht kontrollieren, ich antworte so wie man mich anspricht. Was das heißt?

Werde ich in starkem Dialekt angesprochen, verstärkt sich auch mein Dialekt deutlich.

Spricht mich jemand in astreinem Hochdeutsch an, wird mein Dialekt immer weniger und irgendwann bleibt nur der Akzent, das charakteristische “sch”, z.B. in Kons(ch)tanz.

Geht es um Präsentationen oder Vorträge, dann verschwindet der Dialekt sofort und kommt höchstens in Ansätzen zurück, wenn ich im Dialekt angesprochen werde.

Ursprung des Dialekts

Konstanzerisch gehört zum Bodenseealemannisch, welches eine Variante des Alemannischen ist, selbst die Wikipedia gibts auf alemannisch. Badisch ist es irgendwie auch noch, denn Konstanz liegt in Baden, aber das ist nicht so einfach mit Baden und Württemberg, mehr dazu siehe im Artikel Musterländle Baden-Württemberg.

Aufgewachsen bin ich in Konstanz, die meisten sprachen damals auch konstanzerisch zumindest in der Schule oder so. Nur meine Großmutter, die mich betreute, fand Dialekt furchtbar, deshalb durfte ich Zuhause keinen Dialekt sprechen, während in der Schule sich viele lustig machten über die “die schwätzt so komisch”.  Ich vermute, dass diese “Zweisprachigkeit” dazu führte, dass ich bis heute automatisch je nach Situation vom Dialekt in die Schriftsprache wechsle und umgekehrt.

Hier in der Gegend unterscheiden sich die Dialekte sehr stark, jedenfalls in ihrer ursprünglichen Form, die jedoch insbesondere von den jüngeren Generationen kaum noch so stark gesprochen wird. Bei älteren Einheimischen kann man noch raushören aus welchem Ortsteil von Konstanz sie kommen oder ob sie gar aus dem Umland sind.

Insgesamt meine ich, dass alle eher südlichen Dialekte weicher und damit nicht so steif klingen, wie die eher nördlichen Dialekte. Wobei natürlich hier in der Gegend alles oberhalb von “Schtuegert” Richtung Norden geht und spätestens nach Karlsruhe ist es dann hoher Norden. 😉 (Schtuegert =  Stuttgart)

Spezielle Begriffe aus dem Dialekt

  • Scheese | Kinderwagen
  • Fischete | Angelzubehör
  • Tschope | Jacke
  • Gugg | Tüte
  • mengesch| manchmal
  • ‘s luftet | es ist windig
  • duschesch no | gehst du noch duschen
  • Nüsslesolot | Feldsalat, Ackersalat
  • Herdäpfelsolot | Kartoffelsalat
  • Häs | Kleidung, am ehesten im Sinne des heutigen Outfit, denn es geht um das was man insgesamt trägt, also die Jacke mit dieser Hose… Besonders gebräuchlich an Fastnacht fürs Kostüm.
  • Mäschgerle | Narren, kostümierte Menschen
  • Griesekratzete | Kirschpfannkuchen die jedoch nicht als ganze, runde gemacht werden, sondern in der Pfanne zusammengekratzt
  • Haschee | Bolognese
  • Fleischküechle |Frikadelle
  • Guetsele |Bonbons
  • Weihnachtsguetsele | Vanillekipferl, Zimtsterne usw. Weihnachtsgebäck eben
  • Frichtle | Kinder, am ehesten mit Lausbuben aber in sehr liebevoller Form vergleichbar, jedoch gebräuchlich für alle Kinder
  • vergeile | Pflanzen die zu schnell wachsen, bekommen längere Teilabschnitte als eigentlich gedacht, sie vergeilen. Wohl schon im Sinne von geil, bezogen auf eilig ans Ziel wollen.
  • Buebespitzle | Nudeln, deren Form schon das meint, was man rauslesen kann, es geht da um das kindlich, männliche Geschlechtsteil

Sodele, sell wär etztet emol, wa mer so uff Ahieb eifallt, wenn no ebber eh Frog hät, ka er jo schriebe. 😉 (In etwa: Nun, das wäre jetzt das, was mir im Moment hierzu einfiel, falls jemand eine Frage hat, möge er doch die Kommentare nutzen.)

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Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 18. März 2009 um 01:27 Uhr veröffentlicht und wurde unter einfach so, mit dem Kurzlink
http://www.utele.eu/blog/?p=1073 abgelegt.

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18 Reaktionen zu “I schwätz konschtanzerisch, nicht hochdeutsch : Dialekt im Alltag”

  1. heinzkamke sagt:

    Die Antwort zu “Sprecht ihr immer sauberes Hochdeutsch, oder redet ihr etwa immer in eurem Dialekt?” kann ich uneingeschränkt unterschreiben.
    Wenn ich diese Vorgehensweise (“Allerdings kann ich das nicht kontrollieren, ich antworte so wie man mich anspricht.”) bisher jemandem erläutert habe, erntete ich zumeist Kopfschütteln.

  2. Ute sagt:

    heinzkamke: Wenn ich diese Vorgehensweise (”Allerdings kann ich das nicht kontrollieren, ich antworte so wie man mich anspricht.”) bisher jemandem erläutert habe, erntete ich zumeist Kopfschütteln.

    Genial, du bist der erste, der mir bestätigt, dass es bei ihm genauso ist, cool! :-)

  3. Hi

    Danke für die Teilnahme an der Blogparade und dem interessanten Artikel. Euer Wort “Scheese” kann man ja auch sehr schnell falsch verstehen, wenn man gerade mit dem Kinderwagen unterwegs ist und sagt: “Ich schiebe gerade meine Scheese”… Da müsst ihr arg aufpassen, oder? 😀

    Gruß alte-kiehvotz

  4. Ute sagt:

    @alte-kiehvotz

    alte-Kiehvotz: Danke für die Teilnahme an der Blogparade

    Gerne, klasse Idee, wünsch dir, dass noch viele teilnehmen, möglichst aus verschiedenen Ecken des deutschsprachigen Raums.

    alte-Kiehvotz: “Ich schiebe gerade meine Scheese”

    Hm, in gesprochener Version verstehen nicht-Einheimische es kaum:
    “I bi grad am d’Scheese schiebe” 😉

  5. Hui, ganz ehrlich: Ich würde das verstehen. Denn bei uns in Klingenthal wirdd as ganz ähnlich ausgesprochen. Da würde es entweder “Iech schieb grod de …” oder “Iech bie grod am … schiem” heißen :)

  6. Ute sagt:

    alte-Kiehvotz: Iech schieb grod de …” oder “Iech bie grod am … schiem”

    Spannend, aber es fiel mir schon auf, als ich bei dir ein bisschen gestöbert habe, dass da manches zumindest geschrieben gar nicht so unterschiedlich klingt. :-)

    Dialekt ist einer der wenigen Gründe, warum ich zuweilen schon mal überlegt habe, mich doch mal mit Podcasts zu befassen…

  7. Hm, das hat auf der einen Seite schon was, aber auf der anderen Seite find ich es extrem komisch, mich selbst zu hören. Deswegen ist die Übersetzung bzw. Vertonung der Wörter meines Wörterbuches das maximale, was ich mir bzw. den anderen zumuten will 😀

  8. Ute sagt:

    alte-Kiehvotz: find ich es extrem komisch, mich selbst zu hören.

    Ich kenne niemand, der/die es sonderlich mögen, die eigene Stimme zu hören. Aber das geht einem nur selbst so. Andere empfinden es als ganz natürlich.

    alte-Kiehvotz: Übersetzung bzw. Vertonung der Wörter meines Wörterbuches

    Och, mal so eine kleine Geschichte hätte doch schon was… 😉 *aufmunternd dich ansehend*

  9. […] Ute spricht konschtanzerisch von Betrachtungsweise | Allgemeines, Blogparade, regionales | Trackback | RSS Feed […]

  10. […] Vogländisch, Kölsch, Hessisch, Ääborrrlausitzorrr Dialekt, Weanarisch, Konschtanzerisch, Bairisch und natürlich ich mit Fränkisch. Diesen Artikel bookmarken: Diese Icons […]

  11. […] 9te Beitrag kommt von utele.eu und ist unter „I schwätz konschtanzerisch, nicht hochdeutsch : Dialekt im Alltag” zu finden. Wie der Titel schon sagt, geht es um die konstanzerische Mundart. Am Beitrag sind […]

  12. […] wie geht man im Alltag damit um, spricht man meist hochdeutsch oder doch Dialekt. Ich habe mit I schwätz konschtanzerisch nicht hochdeutsch daran […]

  13. […] Besonders witzig: Jetzt gibt es eine App, mit der man Sächsisch lernen kann! ) Enthalten sind Wörterbuch (inklusive Beschimpfungsvokabular!), Sprachtrainer und Quiz – nach jedem Schütteln des Phones wird eine neue Frage erzeugt. Und wenn du ein neues sächsisches Wort kennst, kannst du es an die Redaktion senden! Gesprochen sind die sächsischen Floskeln von Leipziger Originalen aus der Kabarett- und Schauspielerbranche. Macht sicher unheimlich Spaß! Bleibt nur noch eine Frage: Wann kommt die Schwäbisch-App? […]

  14. […] sogar per Mail zu einer Blogparade eingeladen worden. Nils hat vor einiger Zeit ebenfalls an der Blogparade zu den Dialekten teilgenommen und fragt direkt an, ob ich nicht teilnehmen […]

  15. Andrea sagt:

    Für einen Freund, der in Konstanz studiert und der verzweifelt (und hungrig!) auf der Suche nach dem richtigen Wort für Meterwurst ist, bitte ich um Aufklärung: wie heißt denn nun das Ding auf konstanzerisch?

  16. Ute sagt:

    Sell isch schlecht! :(
    Ich fürchte dem Armen ist direkt in Konstanz nicht zu helfen. Ich habe es noch mit einem Anruf bei der größten hier ansässigen Metzgerei versucht, aber es gibt nichts was der Definition von Meterwurst entspricht.
    Den nächsten Zulieferer finde ich über einen Lieferladen in Stuttgart.
    Wir haben Servele, Landjäger, Blutwurscht, Leberwurscht, Lyoner, Fleischwurscht, Fleischkäs und so, aber hierfür habe ich leider keine Lösung. :(

  17. Phil sagt:

    Als Schweizer ennet de Grenze (Kreuzlinge)bin i a regelrechter Fan vom Konstanzer Dialekt!Da ich die Stadt liebe und auch die geselligen Leute, höre ich sehr viel und gerne diesen beim Schwatz zu!
    Gibt’s eigentlich auch Bücher vom Rededialekt?

  18. Ute sagt:

    Ups, sorry Phil, i hon d’ Kommentar übersehne.
    ‘s git it so vill im Konschtanzer Dialekt.
    Die Muettersproch-Gsellschaft listet Autoren und weist teils auch auf Bücher hin:
    http://www.alemannisch.de/de/mitglieder/
    Rosemarie Banholzer hat einige Bücher, teils aus Kolumnen entstanden:
    http://www.alemannisch.de/de/mitglieder/show.php?id=90

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