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Leserinnen, Fußballerinnen, Nutzerinnen, Bloggerinnen, Studentinnen, Besucherinnen…

16. August 2008 Ute

Wie jetzt nur …innen? So schreibt doch keiner? Oder müsste es keine heißen?

Doch zumindest einer schreibt genau so:

Marius nutzt in seinem Blog konsequent ausschließlich die weiblichen Formen und meint die Männer ebenfalls. Der ein oder andere ist zuweilen noch irritiert, siehe auch Kommentare dieses Artikels. Mir gefällt es.

In unzähligen Büchern steht am Anfang die Erklärung, dass zwecks besserer Lesbarkeit ausschließlich männliche Formen genutzt werden und sich die Leserinnen doch bitte mit angesprochen fühlen mögen. Kritik an dieser Praxis gibt’s selten und falls doch, dann sind das halt “komische Emanzen”, die Sprache nicht verstanden haben…

Nein, ich nutze nicht ausschließlich weibliche Formen. Ich werde es auch jetzt nicht ändern und damit anfangen. Auch in Zukunft werde ich weiterhin, wenn möglich neutrale Formen nutzen, ab und zu mal beide Formen und in vielen Fällen, die üblichere eher männliche Form.

  • Als neutral empfinde ich:
    • Studierende
  • Männlich ist für mich:
    • Studenten
  • Beide Formen nutze ich z.B. so:
    • Jeder Studierende der/die, der Meinung ist…

Warum genau so?

  • Mir ist es wichtig, weibliche Formen nicht auszuschließen, wenn es um Frauen geht.
  • Schwierig zu lesen finde ich die durchgängig doppelte Form, wenn in jedem Fall z.B. “die Studentinnen und Studenten” genutzt wird.
  • Unschön finde ich Kombinationen, wie: StudentInnen.
  • Falsch finde ich die ausschließlich männliche Form, wenn sich beispielsweise eine Frau als Informatiker bezeichnet, nicht als Informatikerin.

Rätsel

Werner Prüher von Lernen heute zitiert in seinem Artikel aus einem PDF von Peter Baumgartner:

“Ein Vater fährt mit seinem Sohn zum Fußballspiel. Mitten auf einem unbeschrankten Bahnübergang schafft er es, den Motor abzuwürgen. Aus der Ferne hören beide das Tuten des heranrasenden Zuges. Verzweifelt versucht der Vater, das Auto wieder zu starten, vergisst aber in seiner Aufregung, zuerst den Zündschlüssel zurückzudrehen. Das Auto wird vom Zug erfasst und mitgeschleift. Ein Krankenwagen, der ebenfalls auf dem Weg zum Fußballstadion war, lädt die beiden Verletzten ein. Auf der Fahrt ins Krankenhaus stirbt der Vater.

Der Sohn lebt bei der Einlieferung noch, aber sein Zustand ist kritisch. Nur eine sofortige Operation kann ihn retten. Er wird in die chirurgische Ambulanz gebracht. Der diensthabende Chirurg betritt den Raum in Erwartung eines Routinefalls um beim Anblick des Patienten jedoch erbleichend zu stammeln: ‘Ich kann nicht operieren. Das ist mein Sohn!'”

Ich kenne diese Geschichte seit einigen Jahren. Mehrfach habe ich es ausprobiert dieses Rätsel zu erzählen und verschiedene Antworten bekommen:

  • der Stiefvater ist der Chirurg
  • der Patenonkel, Großvater…  sagt: “mein Sohn” und meint es nicht wörtlich
  • im Auto saß nicht der Vater
  • Adoptivvater

Nur, wenn dieses Rätsel im Zusammenhang mit Sprache erzählt wird, kommt manchmal die richtige Antwort. Doch selbst in diesem Zusammenhang ist nicht bei allen sofort klar, wer gemeint ist.

Wer ist der ominöse diensthabende Chirurg?

Keine der oben genannten Antworten ist richtig.

Männliche Sprache schließt weibliche Sprache ja immer mit ein. Wie eben oft anfangs nochmal erwähnt, es sind immer auch die Frauen gemeint.

Na, noch jemand, der/die, die korrekte Antwort nicht weiß?

*

*

*

Wer kann denn in jedem Fall korrekterweise von sich behaupten, es ginge um den eigenen Sohn?

Eine häufige Antwort:

  • der Erzeuger
  • also eigentlich nur der leibliche Vater

Stimmt das?

Gibt es nicht noch jemanden, der/die von sich behaupten kann es sei der eigene Sohn?

*

*

*

Sprachliches

Tja, was ist denn mit der Mutter?

Ach, es ging um: den diensthabenden Chirurgen…

Na, es ist doch kein Unterschied bei männlicher Sprache zu bleiben, oder?

Es sind doch immer die Frauen auch gemeint…

Nun, warum kommt dann nicht von allen, die dieses Rätsel zum ersten Mal hören, auch direkt die korrekte Antwort:

Die Mutter ist gemeint.

Ich denke, weil es eben doch nicht so ist, dass immer auch Frauen gemeint sind. Weil die meisten hier eben doch erwartet hätten, dass von der diensthabenden Chirurgin gesprochen wird, wenn es um eine Frau geht.

Aus diesem Grund meine ich nach wie vor, es gibt Unterschiede zu denken, wenn ausschließlich männliche Sprache genutzt wird. Probiert es doch mal selbst aus! Erzählt das Rätsel, insbesondere in Situationen, in denen es gerade nicht um männliche und weibliche Sprachformen ging…

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Der Beitrag wurde am Samstag, den 16. August 2008 um 16:07 Uhr veröffentlicht und wurde unter einfach so, mit dem Kurzlink
http://www.utele.eu/blog/?p=176 abgelegt.

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