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Rock am See gut überwacht

31. August 2008 Roland

Gestern sind Ute und ich zum Rock am See gegangen.

Das Wetter war schön, die Bands waren lustig und das Bier war gekühlt. Daraus folgt es hat Spaß gemacht und war eine angenehme Abwechslung. Ok ich bin früher, als Manowar noch die lauteste Band der Welt war, zu vielen ohrenzerstörenden Pressluftveranstaltungen gegangen. Ja damals… Da gab es noch Boxentürme, wildes rum- und numm- Geschiebe, so viel Gras in der Luft, dass man kein eigenes gebraucht hat (was dem sparsamen Schwaben in mir natürlich sehr gefallen hat 😉 ) und wenig Abschrankungen.

Das mit den Abschrankungen ist schon eine feine Sache. Wenn so ein alter Herr, oder eine alte Dame, mit den jungen Leuten Pogo tanzt, fällt man nicht weit. Der Druck der Menge bleibt aus und so konnten wir sogar eine 12-Jährige gefahrlos mit nach vorne nehmen. Ok, das ist eine ziemlich unsinnige Aktion, da eine 12-Jährige vorne sowieso nur Bierbäuche sieht. Aber egal.

Ordnungswahn am Eingang

Unser deutscher Sicherheits- und Ordnungswahn macht mich jedoch ziemlich wahnsinnig.

Zuerst geht man zur Eingangsschleuse. Dort wird man auf Waffen und Bomben kontrolliert. Bis dahin ok, wer braucht schon eine Panzerfaust auf dem Konzert? Die versperrt wirklich nur die Sicht. Doch dann kommt der Zoll. Nur Pfandflaschen, kein Getränk an dem die Stände auf dem Konzert nichts verdienen könnten, keine Videokamera, kein Tonmitschnittgerät, keine nichts- und bloss nicht auch noch ein ich-kenn-den-Namen-nicht.

Am Besten nur mit Badehose, vorausgesetzt man kann noch Geld darin reinstecken das nicht komplett verklebt und so…

Die Regel, keine Kameras mit rein zu nehmen ist seit IPhone und Mobile-Telefon mit Kamera so unnötig wie ein Kropf. Jeder macht fröhlich vom Handy, Natel, IPhone usw. Gebrauch. Die Bands sparen sogar schon an Lightshow und bitten das Publikum mit den Handys Licht zu machen. Früher hieß es noch “wo sind eure Hände?”, heute fragen sie “wo sind eure Handys?”.

Hinterher gibt es dann Terabytes an wackligen Bildern die sicherlich viel Schaden anrichten können. Denn bisher ist mir nicht bekannt, dass man Giselas beste Wackelbilder auf Youtube am liebsten anschaut. Aber auch ok. Hauptsache die Ordnung stimmt.

Diesmal hätte ich gerne einen, wie auch immer gearteten Foto, dabei gehabt. Denn die wirklich tollen Bilder hätte ich zum Beweis wirklich brauchen können.

Sicherheitskräfte Betriebsausflug

Es ist schon wirklich unglaublich was sich die Personalabteilungen unserer Staatsdiener so alles einfallen lassen. Ich habe noch nie so viel Polizei und Security auf einem Haufen gesehen. An manchen Stellen waren die bösen Open-Air Besucher in der Minderheit. Alles war abgeriegelt. Kein Entkommen und keine Chance aufzufallen. Ich vertrete die Theorie, dass die Polizei ihren jährlichen Betriebsausflug zum Open-Air machte. Damit sie nicht so auffallen und die Kosten für Eintrittskarten nicht bezahlt werden müssen, gingen sie in Uniformen. Ich, als zahlender Gast, finde das natürlich gemein, da ich ja schließlich ein Ticket erworben habe und die Kollegen im Prinzip Schwarzhörer sind.

Kaum auf dem Gelände wurde es den Beamten und Beamtinnen jedoch sehr langweilig. Eigentlich wollten sie gar nicht auf das Konzert, da ihnen die Bands gar nicht so gefallen haben. Was macht der gelangweilte Angestellte? Er mischt sich unters Volk.

Dort angekommen stellten sie fest, dass sie ja gar keinen Alkohol trinken dürfen. Also machten sie Jagd auf andere Drogen. Dummerweise sind fast keine Joints mehr vorhanden, da ja so viele Kollegen schon da sind, und deshalb mussten vier Polizisten an einem Joint schnuppern! Ich finde das schon hart. Erst werden die Betriebsausflugskosten gekürzt und dann nicht mal Spaßmacher dabei.

Mir taten die anwesenden Jugendlichen dann auch noch leid. Die trauten sich wirklich gar nichts mehr zu. Die Stimmung war sicher und es gab keine größeren Ausschreitungen. Ich denke Die Ärzte (Band, nicht die Kollegen mit weißen Kitteln) sind das mittlerweile gewohnt. Sonst werden die sicher nicht mehr nach Konstanz kommen …

Verbot von Video

Wie schon erwähnt darf offiziell kein Video vom Konzert angefertigt werden. Was tun wenn man vom Betriebsausflug doch noch ein schickes Video machen will?

Ganz einfach. Man nimmt einen Kamerawagen, grün lackiert und daher super getarnt, und stellt ihn hinter einen Busch gut versteckt hin. Die Veranstalter sehen ihn ja nicht und ich bin nur zufällig drüber gestolpert als ich mal die ganzen Security-Menschen von oben sehen wollte. Für unseren Innenminister haben wir jetzt auch noch tolle Bilder von wilden Horden. Das macht dann doch noch jeden richtig glücklich.

Mir ist zwar bewußt, dass ich nun nie wieder unbemerkt einkaufen gehen kann, aber ich war mit dabei :)

Das liebe Geld

Wie immer gab es Bons mit denen man seine legalen Drogen wie Bier, Red Bull mit Wodka oder Currywurst mit Brot, ergattern konnte. Ich staunte nicht schlecht als ich an einem Bierstand meine Dröhnung abholte und dabei den Chef eines großen konstanzer Blasmusikvereins stehen sah. Der arme Verein braucht Geld. Und bei so Großveranstaltungen liegt das Geld in der Badehose. Also sind die Vereine dort. Aber die armen Verkäufer sind die Männer und Frauen die a) im Vorstand sind und daher jeden Mist mitmachen müssen oder b) nicht als zusammengepresste Menge mit Handys bewaffnet die Show ansehen. Auf alle Fälle war das Ganze ein riesiger Kulturschock für die Musiker. Sie mussten von morgens um neun bis abends um zwölf, oder eins, am Stand sein und sich Schallwellen aussetzen, die so gar nicht an ihre normalen Musikinstrumente erinnern. Das ist grausam, und ich fühle mit ihnen. Umgekehrt gehe ich auch nicht zu Konzerten die bei mir maximale Frustzustände erzeugen.

Lustig war das sich einer der Herren lautstark über die furchtbare Schreierei ausgelassen hat und ihm jemand anderes erläuterte, dass der Schreier auf der Bühne (Iggy Pop) deutlich älter ist als er und schon viel länger im Musikbusiness 😉

Heimweg sehr geordnet

Mit deutscher (oder der besseren Version konstanzer) Genauigkeit wurde das Konzert abgebrochen. Farin von den Ärzten sagte, dass sie jetzt aufhören müssen, da sonst nächstes Jahr kein Konzert mehr stattfinden wird. Unsere Stadtväter sind da sehr strikt und erwarten, dass um punkt X-Uhr der Ton ausfällt.

Da so viele gelangweilte Beamte vor Ort waren, war der Heimweg sehr organisiert und geordnet. Da wir in Konstanz wohnen, pressen wir uns nicht in die Busse rein, sondern spazieren in der lauen Sommernacht nach Hause. Unsere Ohren wurden von den nicht vorhandenen Boxentürmen kaum belastet und so konnten wir dem Flügelschlag der Fledermaus lauschen und den Gesprächen der Konzertbesucher folgen.
Die armen Teenager trauten sich wirklich gar nichts mehr. Einer rannte wie verrückt neben den Fahrrädern seiner Kollegen her. Ein Kollege fragte ihn: “Willst du nicht mitfahren?” Daraufhin antwortete der Jogger: “Nein, es sind zu viele Polizisten da“.
Naja, wie gesagt, mir war das Ganze ein wenig zu sicher. Vielleicht leben wir alle viel länger, aber die Intensität hat ein bisschen nachgelassen…

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Der Beitrag wurde am Sonntag, den 31. August 2008 um 14:18 Uhr veröffentlicht und wurde unter einfach so, nachdenkliches, mit dem Kurzlink
http://www.utele.eu/blog/?p=189 abgelegt.

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3 Reaktionen zu “Rock am See gut überwacht”

  1. Ute sagt:

    Die Sicherheit hat Konsequenzen, denn ich war doch sehr erstaunt über einige junge Damen, die zwar im vorderen Bereich des Konzerts waren, jedoch bei einer Punk-Rockband wie den Ärzten sich über ein bisschen harmloses Headbangen und minimales Up-and-Down-Pogo beschwerten.
    Klar, Die Ärzte sind heutzutage softer und weniger punkig, aber dass manche jugendliche Fans inzwischen erwarten, dass ich mich wie auf einem Pur-Konzert verhalte, ist schon schade.

    Beim Kamerawagen bin ich ja überzeugt, dass unser Wolfgang Schäuble höchstpersönlich drin saß und sich einfach nicht direkt zwischen die Massen getraut hat.

    Enttäuscht war ich von Bad Religion, die auf CD ja ganz nett sind, jedoch keine spannende Show zeigten und überdies auch noch einen grauenhaften Sound hatten. Wenn ich mir während eines Konzerts wünsche, dass ich in unserem alten Golf mit Billig-CD-Spieler und fast keinen Lautsprechern säße, weil das noch besseren Klang bietet, dann stimmt da irgendwas nicht. Freundlicherweise war dann bei Iggy Pop bereits klar, dass es durchaus auch gestern möglich war guten Sound zu haben, bei dem nichts scheppert oder quietscht…

    Nachtrag: Coole Bilder von Iggy gibt’s z.B. bei Gaga Nielsen von einem Konzert in Berlin. Der Oberkörper sieht einfach nicht nach Jahrgang 1947 aus…

  2. […] unmittelbaren blog-nachbarn (laut blogoscoop … bronski?!) waren bei rock am see und berichten auf ihrem blog von diesem ereignis. ich wohnte heuer dem festival der veranstaltung nicht bei. auch aus gründen, die in dem […]

  3. Mäuschen sagt:

    Ich verstehe nicht, warum man zu Konzerten geht und dann nicht einmal richtig zur Musik abfeiert! Sich bei den Ärzten über jemanden zu beschweren, der ein bißchen headbanged geht wirklich garnicht. Da ist es dann etwas zuviel Sicherheit. Natürlich ist man durch schlimme Unfälle bei Großveranstaltungen gewarnt, aber es sollte auch Grenzen geben und Konzerte sind nunmal zum Feiern da!

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