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Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall ::: 9.11.09

10. November 2009 Ute

  • Rüdi etwa 4 Monate alt Rüdiger und Ute Herbst 1989

An mir ging ein großer Teil des Mauerfalls damals vorbei. Warum? Nun, ich hatte da ein knapp vier Monate altes Baby, welches sehr fröhlich und charmant war, jedoch zwei – ziemlich anstrengende – Nachteile hatte.

Rüdiger spuckte jedwede Nahrung, auch Muttermilch in großen Mengen. Das bedeutete täglich zehn- bis zwanzigmal ihn und oft auch mich umziehen, denn nach jeder Mahlzeit kam ein großer Teil in einem Schwall einfach wieder raus. Das bedeutete einiges an Wäsche, putzen und zusätzlichem Aufwand.

Außerdem benötigte dieses Kind nur sehr wenig Schlaf, er kam mit höchstens acht Stunden aus. Leider nur sehr ungern nachts oder gar am Stück, sondern am liebsten:

  • auf dem Arm
  • im Kinderwagen
  • im Auto
  • im Bereich von 20-40 Minuten am Stück

Ich brauche an sich nicht übertrieben viel Schlaf auch damals schon nicht, aber es blieben so über Monate selten mehr als insgesamt vier Stunden, meist noch mit einer Unterbrechung.

Dementsprechend war ich so von Oktober bis Dezember nicht mehr wirklich klar im Kopf. 😉 Die Spuckerei hörte übrigens ziemlich genau nach einem halben Jahr auf und auch das Schlafbedürnis stieg und wurde auf Dauer richtig erholsam… 😉

Mauerfall mit Vorgeschichte

Ich denke anfangs ging es mir wie vielen meiner Generation. Für uns gab es nur DDR und BRD mit Mauer, alles andere waren Geschichten im Stil von “Opa erzählt vom Krieg”.  Zunächst einmal war es unvorstellbar, dass es plötzlich zu Ende sein sollte mit der Ostzone, wie meine Familie sie nannte.

Zwischendurch bei den ersten Anzeichen dachte ich schon einmal, es könnte doch klappen, doch dann verlief manches wieder im Sande. Ausreisen gabs schon, aber eben über Prag und ganz kompliziert. Als die Nachrichten vom Mauerfall berichteten war ich nicht überzeugt. Ich dachte die schlagen das alles wieder nieder, machen wieder dicht und gut ist.

Dass die Mauer wirklich gefallen war wurde mir erst zur Jahreswende klar, als die Berichte nochmal kamen und es noch immer keine neue Mauer gab. Für mich war es trotzdem zunächst undenkbar, wie aus der DDR und uns was Gemeinsames werden sollte. Meine Wirklichkeit bis dahin war geprägt vom Sport und der Konkurrenz die zwischen den Sportlern der BRD und der DDR deutlich heftiger war, als gegenüber anderen Ländern. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie sich das plötzlich ändern sollte.

Nach der Mauer

Erstaunlicherweise klappte das jedoch recht gut, denn ich denke zumindest aus meiner Sicht wurden nach und nach die Hinweise auf die Herkunft der jeweiligen Sportler weniger. Etwa nach zehn Jahren war es nicht mehr nötig zu erwähnen wer aus der ehemaligen DDR kam. Bei vielem anderen klappte es leider bei weitem nicht so selbstverständlich.

So wie viele Menschen Eigenschaften auf die Herkunft schieben, wenn es um Ausländer geht, ebenso geht es mit denjenigen, die aus dem Gebiet der ehemaligen DDR stammen. Immer wieder höre ich beim Einkaufen oder im Vorbeigehen Sprüche wie: “… ist ja aus Wo-auch-immer, da sind die alle so” Klar solche Sätze gibt es schon auch mal gegenüber denen aus dem Norden oder der Mitte Deutschlands, aber das ist seltener und meist nicht ganz so pauschal abwertend.

Zukunftsaussichten

Ich denke schon, dass noch einiges zu tun ist, bis Wessis und Ossis nicht mehr wichtigere Attribute sind als “die Norddeutschen, die Süddeutschen…” Klar, schön wäre, wenn es schneller gegangen wäre, doch ich denke der Mauerfall traf viele Erwachsene, für die es nichts anderes gab als eine DDR. Viele haben das auch ihren Kindern noch vermittelt, für die die Mauer ebenso irreal ist, wie für meine Generation damals ein Deutschland ohne Mauer.

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Der Beitrag wurde am Dienstag, den 10. November 2009 um 19:04 Uhr veröffentlicht und wurde unter einfach so, mit dem Kurzlink
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2 Reaktionen zu “Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall ::: 9.11.09”

  1. Dieter sagt:

    Tja liebe Ute,

    Speikinder sind Gedeihkinder. 😉

    In solch einer Situation hätte ich bestimmt auch nicht so viel vom Mauerfall mitbekommen.

    Ich war übrigens über Silvester 1989/90 in Berlin und wollte dort am Brandenburger Tor mit Freunden feiern, aber eine Magen-Darm-Grippe sorgte dafür, dass ich auf Toilette und im Gästebett der Freunde blieb. Wer weiß wofür diese Magen-Darm-Grippe gut war, denn ein schwerer Unfall überschattete die Feier, als eine Videoleinwand zusammenbrach. Ein Mensch starb und 135 wurden verletzt.

    Beste Grüße
    Dieter

  2. Ute sagt:

    Hi Dieter,

    Dieter: Speikinder sind Gedeihkinder. 😉

    Ja, hat auch geklappt, allerdings beschränkten sich andere Speikinder auf doch deutlich weniger Spuckerei… 😉

    Unterm Strich war es jedoch völlig ok, alle anderen Kids rundum waren im ersten halben Jahr deutlich pflegeleichter, doch dafür beneideten mich die Mütter später um ein Kind welches täglich bis er vier war mindestens eine Stunde Mittagsschlaf machte… 😉

    Dieter: In solch einer Situation hätte ich bestimmt auch nicht so viel vom Mauerfall mitbekommen.

    Ich habs für mich verglichen mit dem 11. September, bei dem ja alle Erwachsenen wissen, was sie da gemacht haben, ich übrigens auch. Daher überlegte ich dann erstmal, warum das mit dem 9.11. nicht klappte… 😉

    Dieter: ein schwerer Unfall überschattete die Feier

    Ja, immer mal wieder ist im Nachhinein, selbst Unangenehmes wie Krankheit noch für etwas gut.

    Ich denke auch, ich habe damit nicht so viel verpasst, denn grad weil es ein besonderes Ereignis war, ließen sich alle Informationen auch später noch bekommen.

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