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Deutsche? Bahn : Verbindungen nur gut bei Prestigeprojekten

22. Oktober 2010 Ute

  • Dampflok mit Bodensee in Konstanz im HintergrundLokomotive Bahnhof Konstanz

Über S21 und die fehlende Transparenz und Bürgerbeteiligung habe ich ja schon geschrieben, z.B. zur Geschichte des Projekts. Mal unabhängig davon, passt S21 gut in eine Serie von Prestigeprojekten der deutschen Bahn. Das ein oder andere steht zur Zeit einfach still, z.B. existiert zwischen Erfurt und Nürnberg eine fertige Brücke, die frühestens 2017 genutzt werden soll.

Schnell von London nach Frankfurt

Darüberhinaus wirbt die Bahn gerade für sich, wegen des Projekts ICE von London nach Frankfurt, siehe auch: sueddeutsche.de Mit dem ICE nach England durch den Tunnel Es ist ja schön, dass die Bahn schicke Prestigeprojekte durchführt und dabei mit Flugzeiten konkurrieren kann. Doch wäre es nicht zunächst eine Idee, sich um die Verbindungen im eigenen Land zu kümmern?

Krötenlangsam innerhalb Deutschlands

Während die Strecke London-Frankfurt mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwa 150 km/h möglich ist, kann es innerhalb von Deutschland und auch innerhalb von Baden-Württemberg fast die dreifache Zeit kosten von einer Ecke in die andere zu kommen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt bei einigen Strecken im Land auf 50-60km/h ab. Aus meiner Sicht wäre es wichtiger, zunächst solche Verbindungen zu verbessern, bevor ein Projekt London-Frankfurt durchgeführt wird.

Beispiele für Verbindungen ab Konstanz

  • Konstanz – Friedrichshafen laut Google-Maps: 27,8 Kilometer mit dem See dazwischen
  • Verbindung mit der deutschen Bahn ist nur mit umsteigen möglich: 1:39 Stunden bei 1-mal umsteigen, soll es schneller gehen ist 2-mal umsteigen nötig, Fahrtzeit dann 1:16 Stunden  (Fähre- Auto dauert gut eine Stunde)

Konstanz – Friedrichshafen ist als Pendelstrecke eine Katastrophe, entweder umsteigen, oder es dauert viel zu lang oder es werden Bus- und Katamaranverbindungen angeboten, die jedoch nicht zuverlässig und pünktlich funktionieren.

  • Konstanz – München laut Google-Maps: 227 Kilometer
  • Verbindung mit der deutschen Bahn: 4:20 Stunden (das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 53 km/h)

Konstanz – München dauert fast so lang für 227 Kilometer wie dann wohl bald London – Frankfurt.

Je nach dem welche Ecken innerhalb von Baden-Württemberg verbunden werden sollen, wird es schwierig:

  • Konstanz – Tübingen laut Google-Maps: 150 Kilometer
  • Verbindung mit der deutschen Bahn: 2:16 Stunden tagsüber, (das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 66 km/h) letzter Zug um 19:38 Uhr, sonst verlängert sich das die Fahrt auf über 4 Stunden mit dem letzten Zug um 20:52 Uhr

Die Bahnstrecke krankt bis heute daran, dass Baden-Württemberg früher eine badische und eine schwäbische Eisenbahn hatten. Verbindungen die beide Streckenteile betreffen sind ein Problem.

  • Konstanz – Schwäbisch Hall laut Google-Maps: 264 Kilometer
  • Verbindung mit der deutschen Bahn: 4:34 Stunden mit 3-mal umsteigen, (das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 57 km/h) bei nur 2-mal umsteigen verlängert sich die Fahrtzeit auf 6:13 Stunden

Nochmal London – Frankfurt mit 766 Kilometern wird also bald in gut 5 Stunden möglich sein, wie schön, dass innerhalb des Landes für die halbe Strecke kaum schneller geht. :(

  • Konstanz – Frankfurt laut Google-Maps: 366 Kilometer
  • Verbindung mit der deutschen Bahn: 4:15 Stunden (das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 79 km/h)

Von Konstanz aus, sind einige Strecken erst dann akzeptabel nutzbar, wenn sie weit genug entfernt sind. Je länger es dauert, desto eher lohnt es sich dann.

  • Konstanz – Köln laut Google-Maps: 527 Kilometer
  • Verbindung mit der deutschen Bahn: 5:27 Stunden (das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 97 km/h)
  • Konstanz – Hannover laut Google-Maps: 704 Kilometer
  • Verbindung mit der deutschen Bahn: 6:39 Stunden (das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 105 km/h)
  • Konstanz – Berlin laut Google-Maps: 808 Kilometer
  • Verbindung mit der deutschen Bahn: 8:48 Stunden (das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 92 km/h)

Gäubahn Stuttgart – Singen

Positivere Nachricht am Rande:

Vielleicht bewegt sich was zum Thema Gäubahn:

Ausbau Gäubahn

Schlichtung S21 heute

  • Geißler war gut
  • Palmer auch
  • Starke ganz furchtbar
  • Kefer und Gönner unerträglich überheblich
  • Ergebnis Schlichtung S21 heute:
    • bissel Einigkeit zum Güterverkehr
    • sonst aneinander vorbeireden und ausweichen
    • Übertragungsende 😉

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 22. Oktober 2010 um 23:19 Uhr veröffentlicht und wurde unter nachdenkliches, mit dem Kurzlink
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7 Reaktionen zu “Deutsche? Bahn : Verbindungen nur gut bei Prestigeprojekten”

  1. Schöne Zusammenstellung! Aber sind die Entfernungen mit Google-Maps die Luftlinie? Bei Konstanz – München müsste man gerechterweise die Entfernung über Radolfzell zugrundelegen (ca. 280 km), weil die Bahn bekanntlich weder schwimmen kann noch auf die Fähre passt. Dann ist die Duchschnittsgeschwindigkeit immerhin ca. 65 km/h

  2. Ute sagt:

    Danke, nee Google-Maps sind Autoverbindungen.

    Wie die Bahn passt nicht auf die Fähre und kann nicht mal schwimmen?! 😉

    Prinzipiell könnte eine vernünftige Zusammenarbeit mit der schweizer Bahn ja nach München führen ohne den See zu überqueren, deshalb finde ich schon, dass das fair genug ist. Und wie du schon schreibst, auch 65 km/h sind krötenlangsam…

  3. ichhebgleichab sagt:

    Zu Deinen Zahlen paßt bestens der Anfang dieser Kolumne von Jan Weiler: http://bit.ly/cb5gWy
    Irgendwie haben wir wohl das Pech, an einem Ende der Republik zu liegen.

  4. Olaf sagt:

    Bei uns im Norden, Strecke Hamburg- Westerland (Sylt) fuhren früher die Züge mit Dampflok auch schneller als die heutigen Dieselloks. Zwischen Niebüll und Westerland muss man öfter einen Zwischenhalt einlegen, da Eingleisig !

  5. Ute sagt:

    Danke, die Kolumne passt tatsächlich perfekt:

    ichhebgleichab: Kolumne von Jan Weiler:

    http://www.stern.de/kultur/buecher/mein-leben-als-mensch-teil-96-komfortminderung-655678.html

    “Konstanz ist schwer zu erreichen, es sei denn, man reist aus Zürich an. Ansonsten heißt es ‘Umsteigen’ und immer wieder ‘Umsteigen’. Die Züge werden immer schmaler und kürzer, und wenn man ankommt, ist man geschrumpft und vergreist. Am nächsten Morgen stellt man fest, dass die Abreise noch schwieriger ist als die Anreise. Von Konstanz nach Bonn dauert es mit dem Zug unter Umständen sieben Stunden. (…)”

    Olaf: Strecke Hamburg- Westerland (Sylt) fuhren früher die Züge mit Dampflok auch schneller als die heutigen Dieselloks

    Ja, ein weiteres trauriges Beispiel, danke dafür. Ich fürchte da gibt es noch einige mehr so quer durch Deutschland…

  6. Simon sagt:

    Ich bin Pendler und fahre daher oft mit der D-Bahn – jedoch eher gezwungenermaßen, da es sich finanziell besser rechnet. Doch die Verspätungen und vor allem die Gründe der Verspätungen, die die Bahn angibt, sind lächerlich hoch 10! *Aufgrund von Unterbrechungen im Betreibsablauf… 30minütige Verspätung.* Im Grund meinen sie damit: die Leute haben beim Ein- und Umsteigen zu lange gebraucht… Einfach nur lächerlich 😀

    [soviel zu meinem Beitrag zum Thema – das musste mal gesagt werden!]

  7. Ute sagt:

    Simon: Im Grund meinen sie damit: die Leute haben beim Ein- und Umsteigen zu lange gebraucht…

    Über die Ein- und Ausstiegszeiten machte sich letzte Woche schon Heiner Geißler bei der Schlichtung lustig, da die Bahn in Stuttgart mit nur einer Minute Umstiegszeit plant. 😉

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