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Ich bin das nicht – ich will nach Hause…

17. März 2013 Ute

Mein "ich bin ich", es heißt yo soy yoSeit der Einladung zur Veranstaltung zur Piratinnenkon gibt es Diskussionen, vor allem auf twitter, darüber was richtig und falsch daran ist.
Da steht die Piratinnenkon einerseits mit der Einladung an

“alle Frauen, Queer und alle an der Gleichstellung der Frauen in der Gesellschaft interessierten Menschen”

auf der anderen Seite steht: Menschenwerdenmenscheln u.a. mit

“Für uns ist Sexismus eher etwas das von allen Seiten kommt als von einer einzigen Gruppe.”

Auf twitter werden diejenigen die eher für “Menschenwerdenmenscheln” sind als Maskulisten bezeichnet. Das Orgateam der Piratinnenkon wird als ausgrenzend und heimlich feministisch die Partei unterwandernd genannt. (siehe auch Kommentare hier: Blogbeitrag berlin.piratenpartei.de Einladung zur Piratinnenkon.

Nichts davon ist so, wie ich mich sehe.

Das bin ich

  • ich bin Feministin, wenn das bedeutet, dass es in unserem Land bisher keine Gleichstellung von Frauen gibt und daran etwas geändert werden muss
  • ich bin gegen Quote, wenn das heißt täglich neu, wird irgendeine Quote eingeführt und damit ist angeblich plötzlich alles gut
  • ich bin Mensch, erstmal Mensch und dann Frau, ja
  • ich bin postgender, wenn das heißt, wir haben das Ziel, dass es irgendwann in der Gesellschaft egal sein wird, mit welchen biologischen Merkmalen, Menschen zur Welt kommen

Das bin ich nicht

  • ich bin nicht Feministin, wenn das bedeutet, dass ich jedes Thema durch eine weibliche Brille betrachten soll und mich nicht für Themen interessieren darf, bei denen das nicht passt
  • ich bin für Quote, wenn damit erste Veränderungen möglich sind, solange bis es Ideen gibt, die etwas verändern, was nicht erst in Jahrzehnten wirkt
  • ich bin nicht einfach nur Mensch, wenn das heißt, dass das generische Maskulinum die Welt verbessert und mir jemand sagen will, das ich mich als Pirat bezeichnen soll, weil Piratin falsch sei
  • ich bin nicht postgender, wenn das heißt, wir tun so, als gäbe es keine Geschlechterproblematik, als sei die Welt dann per Definition einfach so gut

ich bin ich

Ich bin ich und ich will in keiner Schublade stecken, die mir verbietet mit angeblichen Gegnern zu reden und Lösungen zu suchen.
PS: (Maskulisten sind für mich diejenigen, die behaupten in Deutschland seien Frauen grundsätzlich und in nahezu jeder Hinsicht bevorzugt.)

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Der Beitrag wurde am Sonntag, den 17. März 2013 um 15:34 Uhr veröffentlicht und wurde unter nachdenkliches, mit dem Kurzlink
http://www.utele.eu/blog/?p=5409 abgelegt.

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8 Reaktionen zu “Ich bin das nicht – ich will nach Hause…”

  1. Ich mag Dich so wie Du bist. Feministin? Ja und Nein. Je nachdem, was gerade nötig ist und sinnvoll (wie Du ja auch oben schreibst, Stichwort: Was bin ich und was bin ich nicht). Abgesehen davon sind Schub(s)laden sind doch eh doof. :-)

    Was die Quote angeht: Wir diskutieren seit den 1980er Jahren die Quote. Getan hat sich seither sehr sehr wenig. Nein, klaro, es ist nicht komplett wie damals. Aber, der Weg zu einer Normalität ist noch sehr sehr weit, viel zuuu weit dafür, dass wir das Jahr 2013 schreiben. Was ich nicht so sehe: die Einführung einer Quote heisst ja nicht, dass dann alles gut ist. Sie heisst nach meinem Empfinden, dass wir überhaupt mal losgehen und substantiell Fortschritte erzielen. Die Dinge kommen in Bewegung, weil dann auf Zeit viele von den Argumenten gegen Frauen wegfallen. Wer kennt das nicht, dieses sogenannte “wir hätten nicht gedacht, dass das (besetzen eines Postens) mit einer Frau so einfach ist. Und sie macht es besser als viel Männer vor ihr” Argument. Und das kommt nicht selten von Leuten, die sich vorher partout gewehrt haben gegen Neuerungen. Man bleibt diskursiv hängen in einer Art verbalem und inhaltlichem Imperativ. Diesen könnte man mit einer Quote auf simple Art und weise aufbrechen. Nebenbei bemerkt: wie weit sind wir gekommen mit freiwilligen Selbstverpflichtungen? Nein, das wird so nix, glaube ich.

    Aber, wie stets gilt: Das sind #justmy2cent. Eh klar .. :-)

    Liebe Grüße aus dem “hohen Norden”. *wink* :-)

  2. Ute sagt:

    Hallole Markus, danke für den ausführlichen Kommentar. :)

    Ich habe Quotenbauchweh, weil ich mir für mich nicht vorstellen kann, irgendwo reinzukommen, dank Quote.

    Andererseits, will ich nicht noch fünfzig Jahre warten, bevor sich manches bewegt. Sprich, Ideen wie besser Kinderbetreuung, selbstverständliche Teilzeitangebote usw. die sind nötig und sinnvoll, wirken sich aber sehr, sehr lange kaum aus.

    Selbstverpflichtung war wohl völlig für die Katz, da hat sich ja überhaupt nichts bewegt.

    Ich hoffe ja immer, es gäbe mal noch ___die___ Superidee, die Veränderung in absehbarer Zeit ermöglicht ohne dass es eine Quote braucht.

    Allerdings scheinen mir seit Jahrzehnten keine Idee aufzutauchen, die darauf hindeuten, dass eine solche umsetzbare Idee existiert.

    Also bleibt halt bislang nicht viel. Überwiegend herrscht ja Einigkeit, dass es mehr als ein paar wenige Prozent Frauenanteil im ein oder anderen Bereich geben soll. Es existieren auch langfristige, sinnvolle Ideen, eben Kinderbetreuung, verbesserte Teilzeit in allen Jobs, usw. aber nichts davon klingt für mich so, als hätte es Potenzial, um wenigen Jahren etwas zu verändern.

    Teilzeit in fast allen Jobs, ist beispielsweise in der Schweiz, sehr viel üblicher. Dort bedeutet es weder für Frauen noch für Männer einen Karriereknick, wenn sie sich zu 80% oder zu 60% Arbeitszeit entschließen. Aber ich glaube halt nicht, dass sich das in Deutschland zügig umsetzen lässt…

    Deshalb also deine und meine #just2cent ohne Anspruch auf die absolute Wahrheit… 😉

    Regengrüße aus Deutschlands letztem Zipfele :)

  3. Quotenbauchweh. Ein schönes Wort. 😉

    Im Ernst. Ich glaube, wir würden uns beide was anderes wünschen. Wir müssen aber auch lernen, dass wir nicht in einer idealen Welt leben. Wäre das so, dann würden wir ja gar nicht über das Thema reden/schreiben (müssen). In unserer, nicht so komplett idealen Welt ändern sich die Dinge viel zu langsam. Und dann kommt auch noch der deutsche Faktor dazu. Zusammengerechnet sind wir dann also ganz locker bei Stillstand oder relativ gesehen sogar bei Rückschritt angekommen. Mir kommt ein Idiom in den Sinn, dass man von Sportreportern hört, wenn sie freundlich sagen wollen, dass etwa ein Skiläufer zu lahm fährt. Er hat dann, bezogen auf die Bestzeit, “hinzu verloren”.

    Wir verlieren bei dieser Diskussion soviel “hinzu”, dass wir schon beinahe wieder in der Höhle sitzen, gefühlt. Auch ich mag nicht nochmal fünfzig Jahre brauchen bis wir endlich dort sind, wo andere dann schon vor fünfzig Jahren waren. Was essentiell ist und der eigentliche Grund, weshalb das alles so langsam geht: es gibt kein Bewusstsein für dieses Thema und es gibt auch keine gesellschaftliche Grundlage, auf der man mit einem Holzkopf, falls man mal wieder auf einen trifft, erst gar nicht diskutieren muss, sondern wo man diesen einfach auf eine bestehende Rechtslage hinweisst und fertig. Man stelle sich vor, wir hätten beispielsweise bei der Frage der Katalysatoren für Autos seinerzeit Grundsatzdiskussionen geführt und nicht einfach eine Steuerbezuschussung gewährt. Wir würden heute immer noch diskutieren und hätten, aufgerundet, fünf Fahrzeuge in Deutschland, die einen geregelten KAT hätten. Es gab einen politischen Willen, da etwas voran zu bringen und diesen Willen gibt es beim Thema Quote bzw. eigentlich ja Gleichberechtigkung, nicht. Schlimm genug ist das. Ändern sollten wir es ASAP. Leuten, die anders leben wollen, denen kann ich sehr sehr gerne Reiseempfehlungen aussprechen. Da sind noch Länder noch rückständiger als wir. Es sind nicht mehr viele, aber einige wenig finden sich noch. 😉

    Was Du zum Thema Teilzeit schreibst ist eigentlich dieselbe Diskussion in Grün. Altertümliche Gedanken im Hirn bleiben da auch ewig haltbar, wenn man die Luft im Oberstübchen niemals auswechselt. Da muss man mal bei so manchen Leuten durchlüften. Dann klappts auch mit dem 22. Jahrhundert. 😉

  4. Ute sagt:

    Quotenbauchweh. Ja, ist ein für mich sehr passendes Wort. :-)

    Und natürlich: Geduld?!

    Nee, ich kann vieles, aber ich bin ein natürlicher Ungeduldspinsel!

    Warten, warten, warten, waaaarten, waaaaaaaaaaarteeen…

    *aufstampf*

    Nein, ich will nicht immer warten.

    Und ja, du hast Recht, es geht um den politischen Willen, der einfach fehlt, sonst ließe sich manches umsetzen.

    An Quotenbauchweh ändert es nichts, ich fürchte darum, dass damit gar niemand mehr nach besseren Lösungen suchen mag. Aber bevor ich akzeptiere, dass nochmal ein halbes Jahrhundert nix passiert, dann hab ich halt Quotenbauchweh, zumindest in manchen Fällen, in denen sich anders einfach nichts bewegt.

    Huch, 22. Jahrhundert. Du meinst, das Denken des Mittelalters ist nicht mehr angebracht?! 😉

  5. Manchmal könnte man sich ja auch zum Geduldig-Sein zwingen. Aber, wenn man merkt, dass wirklich nahezu nichts vorwärts geht, dann ist es schwer, sich zu einer Geduldsübung aufzuraffen. So gesehen: Alles gut mit Deiner Ungeduld. :)

    Hm, ob nun das Denken des Mittelalters angebracht ist oder nicht, das hängt davon ab, wie man lebt. Ist man beispielsweise ein junger, angehender Karrierist und will in die Politik, so ist eine ausgeprägte mittelalterliche Haltung immer noch die gängige Voraussetzung für eine glänzende Laufbahn bei der CDU oder bei der CSU. Du siehst: das ist alles relativ .. 😉

    So, dann wünsche ich Dir und eigentlich uns, dass wir diese ganz besonderen Bauschmerzen nicht vollkommen kostenlos, ähm, umsonst, aushalten müssen.

    Liebe Grüße, heute in Regen-Grau .. 😉

  6. Ute sagt:

    Markus Sowada: Hm, ob nun das Denken des Mittelalters angebracht ist oder nicht, das hängt davon ab, wie man lebt. Ist man beispielsweise ein junger, angehender Karrierist und will in die Politik, so ist eine ausgeprägte mittelalterliche Haltung immer noch die gängige Voraussetzung für eine glänzende Laufbahn bei der CDU oder bei der CSU.

    ***pruuust***

    Lieben Sonnengruß mit etwas Wind und ich schließe mich deiner Hoffnung an, dass das Quotenbauchweh nicht umsonst ist.

  7. Aki Alexandra Nofftz sagt:

    Danke für deinen Beitrag. Schön, dass mal wer Sachlichkeit in diese unsinnige Diskussion für und wider #PiratinnenKon bringt. Wer sich angesprochen fühlt, soll kommen, wer nicht, halt nicht. Genauso ist es bei der #QueerKon ja auch.
    Nichtsdestotrotz würde ich mich als Mit-Orga-Tante freuen, dich dort zu sehen. :)

  8. Ute sagt:

    Danke Aki. Dieses Wochenende in Berlin passt bei mir jedoch grad gar nicht.

    Aber ich drücke allen Teilnehmenden die Daumen, dass es eine erfolgreiche Konferenz wird, Wenn das klappt, dann besteht die Chance, dass es zu weiterem Dialog kommt und der würde allen nützen.

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