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…lieber nicht drüber reden?!

29. März 2013 Ute

"Kinderbild" nach sexuellem MissbrauchAnlässlich Alyamas Serie zu Pädophilie und sexuellem Missbrauch, schrieb ich letztens schon etwas ausführlicher, weil ich über den Titel: “Die Gedanken sind frei” stolperte, obwohlwir uns sonst schon überwiegend einig sind.

Alyama veröffentlichte gestern gleich drei Artikel. Die drei Beiträge:

Ich stolperte über den ersten, dazu weiter unten mehr.

Das Thema kann sie jetzt doch nicht…

Offenbar waren einige schnell mit ihrem Urteil über Alyamas Beitrag, der anzweifelt, dass jede Form von Kinderpornographie Kindern schadet.

Kinderpornographie, die mit Kindern gemacht wurde, ist nicht das Thema, es ist absolut klar, dass dokumentierter Kindermissbrauch unter keinen Umständen tolerierbar ist. Darauf weist auch Alyama nochmals explizit hin.

Das änderte jedoch wenig am Hagel an Kritik, auch die Popcornpiraten griffen das auf: Listenkandidatin aus Baden-Württemberg fordert Legalisierung von fiktiver Kinderpornographie

Soweit ich im Nachhinein las, hätte sie es nicht so schreiben dürfen:

  • weil das Thema ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl nicht genannt werden darf
  • weil das ein kontroverses Thema ist
  • weil sie nur Eigenes aufarbeite
  • weil es ein Randthema ist
  • weil sie den Piraten schadet
  • weil sie Kandidatin zur Bundestagswahl ist
  • weil es überhaupt und außerdem …

Ach so. Nun, dann habe ich was falsch verstanden.

Ich bin auch und gerade deshalb Piratin geworden, weil ich nicht akzeptieren wollte, dass Frau von der Leyen, denen, die Sperren umgehen können, 2009 recht pauschal unterstellte “teils schwer pädokriminell” zu sein. Ich bin Piratin, weil ich möchte, dass es keine Tabuthemen gibt. Ich bin Piratin, weil bei den Piraten auch Rand- und Minderheitenthemen Platz haben. Ich bin Piratin, weil es uns, den Piraten, nicht vor allem darum geht Wahlen zu gewinnen und im Wahlkampf nur alles schönzureden.

Deshalb ist es für mich nicht falsch, dass sie als Listenkandidatin über diese Themen schreibt, siehe auch den Gastbeitrag bei ihr.

Das passiert nur Mädchen

Zu ihrem Artikel, dass die einfache Rechnung, nur Männer missbrauchen, nur Mädchen sind betroffen, nicht aufgeht, gibt es nichts hinzuzufügen. Missbrauch wird nicht weniger, wenn gedanklich ganze Gruppen aus Tätern und /oder Opfern ausgeschlossen werden.

Diskutieren ließe sich für mich, wer sich wofür einsetzt. Mir fällt auf, dass es zum sexueller Gewalt nur sehr wenige Männer gibt, die sich für das Thema einsetzen. Das war auffällig in der Bundestagsdebatte zu Internetsperren, es fällt auf, wann immer ich etwas über dieses Thema höre. Denn ganz sicher wäre es für Jungs einfacher, über eigene Erfahrungen zu reden, wenn es mehr Männer gäbe, die hier Ansprechpartner wären.

Alles verbieten? – Fiktive Kinderpornographie

Beim Thema, ob Kinderpornographie in der heutigen gesetzlichen Definition, verboten sein sollte, kann ich nicht mal eben einfach zustimmen. Ja, ich verstehe, dass Kinderschutz nicht der Grund für ein Verbot fiktiver Kinderpornographie sein sollte. Denn es gibt keinen Hinweis, dass durchs sehen oder lesen das Risiko steigt, dass jemand zum Täter wird.

Alyama nutzt den Begriff “fiktive sexuelle Darstellungen von Kindern”, ja das klingt schon anders als Kinderpornos. Alyama führt aus: “Es geht hierbei um Animationen, Texte und Zeichnungen in denen Sexualität mit Minderjährigen dargestellt wird. Aber auch um Filme, in denen sehr kindlich aussehende, aber erwachsene Personen einvernehmlichen Sex mit anderen Erwachsenen haben. ”

Tja und für mich bleibt es schwierig. Klar verboten werden sollte nur, was unbedingt verboten werden muss. Es gibt auch das Argument, wenn Gewalt und Tod fiktiv erlaubt sind, warum dann nicht fiktive, sexuelle Darstellungen von Kindern.

Mein Bauchgefühl, ist etwas ganz persönliches. Mir ist es wichtig, dass der Schutz von Kindern klappt und dass es nicht um Symbolpolitik geht, die nur vermeintliche Sicherheit bietet. Deshalb befasse ich mich auch immer wieder damit.

Bevor ich etwas schreibe, lese ich meist nochmal nach. Ich wollte zu Kinderpornographie nachlesen, ich gab das in die Suchmaschine ein. Ich war sehr erleichtert, dass die Ergebnisse dort keineswegs Seiten zweifelhaften Inhalts, sondern sachliche Seiten waren. Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge von Google, als ich zu allen möglichen Eingaben, Seiten bekam, die ich keinesfalls wollte. Ich bin sicher damals wäre ich auf einschlägigen Portalen mit dokumentiertem Kindesmissbrauch gelandet. Ja, ich begrüße an dieser Stelle, dass Google beim Begriff Kinderpornographie zensiert und nicht alle Ergebnisse anzeigt, die es wohl gäbe, wenn es eine freie Suche wie bei anderen Begriffen wäre.

Ich habe Angst davor, dass ein Lockern des Verbots, fiktive sexuelle Darstellungen von Kindern üblich werden könnten, wenn jemand danach sucht. Mir ist dabei nicht wohl. Ich habe Bedenken, dass es damit zu sehr “normal” wird. Wenn es üblich ist, dass es überall gezeigt wird, solange kein Kind direkt zu Schaden kommt, wie geht es dann den Erwachsenen nach eigenen Erfahrungen mit sexueller Gewalt? Wenn sie dann Informationen suchen, müssen sie sich dann durch die sexuellen Darstellungen von Gewalt an Kindern kämpfen, um die Infos zu bekommen, die sie suchen? Wäre da nicht auch Schutz der ehemaligen Opfer angebracht?

Unterm Strich überwiegen bei mir die Bedenken bei einer Lockerung des Verbots. Nichtsdestotrotz will ich nicht, dass es nicht diskutiert werden darf. Ich will nicht, dass es totgeschwiegen wird. Ich will nicht, dass es keine Forschung dazu geben darf. Die Auseinandersetzung zu diesem Punkt ist wichtig. Für mich ist auch fiktive Darstellung kein Randthema solange es so viele Menschen gibt, die in irgendeiner Form mit Darstellungen von sexueller Gewalt an Kindern zu tun haben. Denn die Diskussion darüber betrifft keineswegs nur Pädophile.

 

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 29. März 2013 um 15:43 Uhr veröffentlicht und wurde unter nachdenkliches, mit dem Kurzlink
http://www.utele.eu/blog/?p=5420 abgelegt.

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8 Reaktionen zu “…lieber nicht drüber reden?!”

  1. Klischeepunk sagt:

    Wieviele ganz hundsgewöhnlichen Pornos siehst du so im tag-täglichen Leben? Ich frage mich ob deine Sorge real begründet ist oder tatsächlich am Bauchgefühl ohne rationalen Hintergrund endet?

  2. Ute sagt:

    Heutzutage sehe ich – zumindest bei Google – nur noch dann Pornos, wenn ich das auch will. Das war jedoch mal deutlich anders.

    Meines Wissens arbeitet Google auch da “quasi mit Zensur”, um Pornoseiten egal wie stark sie manche Begriffe pushen, eben nur dann vorne in den Ergebnissen zu zeigen, wenn Inhalt und Suchbegriff zusammenpassen.

    Bleiben wir jedoch mal bei meinem Beispiel, ich habe explizit “kinderpornographie” eingegeben. Ich wollte Infos über das Thema, aber ich wollte keine Kinderpornos. Wie außer mit manuellem Eingreifen wäre das möglich? Wie geht es jedoch dann, wenn nicht eingegriffen wird?

  3. Stefan sagt:

    > Wie außer mit manuellem Eingreifen wäre das möglich?
    Genau wie das Ausfiltern von Pornografie heute auch. Wie genau das technisch umgesetzt ist kann ich nicht sagen, aber Google kennt die “SafeSearch” und solange die aktiv ist, filtert es solche Inhalte. Such doch mal nach “Pornografie”.

    Insofern kann ich deine Bedenken zwar nachvollziehen, teile sie aber nicht. Schwerwiegende ist da in meinen Augen, daß ohne Totalverbot nachgewiesen werden muß, ob ein Porno der mutmaßliche Minderjährige zeit illegal ist. Vermutlich ließe sich das aber so ähnlich regeln wie wohl heute schon – die Hersteller des Videos müssen Altersnachweise vorhalten. Bei (in Zukunft vielleicht doch irgendwann täuschend echten) rein fiktiven Videos (CGI) sollten die Rohdaten als Nachweis genügen.

    Letztlich wäre ich auch dafür das Verbot aufzuheben.

  4. Ute sagt:

    Gut, es kann ausgefiltert werden. Ich habe es probiert, es klappt mit Pornographie genauso wie mit Kinderpornographie, die ersten Ergebnisse sind sachliche Infos.

    Klar, der Nachweis für mutmaßliche Minderjährige wäre ein weiterer wichtiger Punkt. Aber da nehme ich auch an, dass es Lösungen gäbe.

    Meine größten Bedenken sind jedoch weiterhin, dass fiktive Darstellungen “üblich / normal” werden könnten.

  5. Stefan sagt:

    Inwiefern sind denn “normale Pornos”, die heute bereits (noch?) legal sind, üblich/normal? Natürlich, sie sind einfach verfügbar. Aber niemand wird in irgendeiner Form zum Konsum gezwungen. Im Gegenteil, der Standard beim Suchen ist das Ausfiltern, Videotheken verlangen Altersnachweise und selbst ausländische Seiten im Netz haben meist diese lustigen “Ja, ich bin 18″ Vorschaltseiten.

    Ungewollt, stoße ich eigentlich höchstens bei der Werbung auf Pornografie. Darum scheint es dir doch zu gehen bei dem Punkt, oder? Ungewollt auf entsprechende Inhalte zu kommen.

  6. Ovid sagt:

    (Warum wurde mein erster Beitrag nicht freigeschaltet? Gerne auch Antwort per Mail)

    Noch einmal zu den jeweiligen Argumenten:

    – Argument 1: “Müssen mittlerweile erwachsener Opfer sexueller Gewalt nicht vor diesen Darstellungen geschützt werden? Sie könnten ja dann darauf stoßen”

    Dann müsste – mit dem selben Argument – auch jegliche Gewaltdarstellung verboten werden. Es gibt auch Opfer schrecklicher Misshandlungen, versuchter Morder und ähnliches – und diese wirklichkeitsnahen Darstellungen sieht man täglich im Fernsehen!

    – Argument 2: “Meine größten Bedenken sind jedoch weiterhin, dass fiktive Darstellungen “üblich / normal” werden könnten.”

    Ob bestimmte Darstellungen oder Texte “üblich” oder “normal” werden, entscheidet die Gesellschaft. Bestehen bei Ihnen tatsächlich Bedenken, dass die Gesellschaft >sexuelle Gewalt< plötzlich begrüßt und akzpetiert, nur aufgrunddessen, dass fiktive Darstellungen legal werden?
    Viele Gewalthandlungen werden geächtet und dessen fiktive Darstellungen sind legal.
    Die Sichtbarkeit von Grausamkeit fördert nicht die Akzeptanz von Grausamkeit – ansonsten hätte die Menschheit niemals moralische Fortschritte gemacht.

  7. Ute sagt:

    Sorry beim Umbau gingen hier wahrscheinlich Kommentare verloren, zumindest fehlt einer von mir selbst.

  8. Ute sagt:

    Jetzt nochmal kurz inhaltlich.

    Zunächst mal voraus geschickt, ich bin unschlüssig und ich denke es ist ein Thema, was diskutieren werden muss, bevor es entschieden wird. Eben deshalb schreibe ich ja hier drüber.

    Ich erinnere mich an Zeiten, als Suchmaschinen nicht so gut filterten wie heutzutage, da fand sich vieles, was weit entfernt war, von dem was ich suchte. Ebenso gab es bei den Freemail-Anbietern Werbeinhalte je nach Uhrzeit, zu manchen Uhrzeiten war es nicht empfehlenswert, Mails zu checken.

    Was nicht verboten ist, darf logischerweise auch beworben werden. Ich möchte nicht dass fiktive Darstellungen von sexueller Gewalt so üblich und erlaubt sind, dass sie zufällig oder versehentlich auftauchen.

    Betroffene von sexueller Gewalt gegen Kinder, können sich informieren wollen, bevor sie erwachsen sind.
    Aber klar, es ist eine Gratwanderungen zwischen Schutz und Verbot.

    Nein, ich habe nicht die Bedenken, dass es gesellschaftlich begrüßt und akzeptiert würde, wenn es üblich wäre, dass fiktive Darstellungen sexueller Gewalt legal wären.

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