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Sexuelle Gewalt an Kindern – wer macht das?

13. März 2013 Ute

Skulptur: Gewalt Mann -> Kind | PuppeAnlass zu diesem Artikel ist Alyamas Beitrag zur Pädophilie: Pädophilie – die Gedanken sind frei

Bei dem Titel bekomme ich Bauchweh. Der Titel sagt für mich aus, dass jeder in Ruhe denken soll, was auch immer er oder sie möchte, unabhängig davon ob es um Pädopholie geht. Der Artikel selbst ist durchaus differnzierter, den Titel finde ich nicht gut.

Wieviele Menschen sind pädophil?

Laut Alyama sind 25% der Bevölkerung zumindest teils pädophil. Laut wikipedia sind 1%  aller erwachsenen Männer primärpädophil, verlässliche Zahlen zu pädophilen Frauen scheint es nicht zu geben. 86,1 % der pädophilen Teilnehmer  einer Studie gaben an, Bildmaterial aus dem legalen und/oder illegalen Bereich zu nutzen. Im Projekt kein Täter werden geben sie an, dass nach Untersuchungen zwischen 3% und 9% der Männer angaben auf Kinder und/oder Jugendliche ausgerichtete sexuelle Fantasien zu haben. Nach Studien für Deutschland scheint sich das 1% zu bestätigen.

Sexuelle Gewalt durch Pädophile?

Einen ganz wichtigen Punkt habe ich in Alyamas Artikel vermisst. Noch immer glauben viele, dass Kindern sexuelle Gewalt von Pädophilen angetan wird. Das stimmt so jedoch nicht. Es sind auch Pädophile, aber das ist ein eher kleiner Teil der Täter. Wikipedia bezieht sich auf Studien, die davon ausgehen, dass der Anteil Pädophiler bei den Taten nur bei 12 -20% liegt. Im Umkehrschluss heißt das rund 80% der Gewalttäter sind nicht pädophil.Skulptur: Gewalt Mann -> Kind | Puppe

Strafen für Täter

Alyama positioniert sich klar gegen draokonische Strafen, weil die Strafen nicht wiedergutmachen können. Explizit schließt sie auch die Todesstrafe aus.

Nichts, gar nichts rechtfertigt die Todesstrafe, da stimme ich vollständig zu.

Was sind drakonische Strafen? Soll eine Strafe wiedergutmachen?

Eine Strafe kann nicht wiedergutmachen, eine Strafe ändert nicht, was passiert ist. Aber aus meiner Sicht soll eine Strafe auch nicht wiedergutmachen, sondern ein deutliches Zeichen setzen, dass ein bestimmtes Verhalten nicht akzeptiert wird. Bei der Bewertung eines Strafmaßes ist die Verhältnismäßigkeit ein wichtiger Punkt. Sexuelle Gewalt – auch an Kindern – sollte daher unterhalb eines Mordes bewertet werden. Allerdings zerstört sexuelle Gewalt an einem Kind deutlich mehr, als andere Gewalttaten insbesondere an Erwachsenen. Das muss sich meines Erachtens im Strafmaß widerspiegeln. Häufig ist das bislang nicht der Fall, aber  exakte Zahlen überlasse ich den Juristen.

Pädophile brauchen Hilfe

Alyamas folgenden Satz unterschreibe ich gern:

“Jemand der nicht straffällig geworden ist, braucht Hilfe damit er es nicht wird.”

Alyama geht auf die Schwierigkeiten von Pädophilen ein, sie schreibt sie brauchen Hilfe. Mir fehlen an dieser Stelle die Hinweise auf Hilfsangebote. Es gibt da noch nicht sehr viel, aber zumindest zwei Projekte scheinen mir gute, erste Anlaufstellen zu sein:

Pädophile verurteilen?

Alyama geht darauf ein, dass es falsch ist, Menschen für etwas zu verurteilen, was sie denken, nicht was sie tun. Da stimme ich vollständig zu. Denn wie oft sagt jemand “den bringe ich um” macht es jedoch nicht und hat es auch nicht ernsthaft beabsichtigt. Würden wir hierfür diese Personen verurteilen, dann wären mehr in den Gefängnissen als außerhalb. Selbstverständlich gilt das bei allem was strafrechtlich relevant ist.

Nein, vorverurteilen ist nicht richtig, aber wenn wir statt dessen Pädophilen helfen wollen, damit sie nicht tun, was sie denken, dann muss es dafür Wege geben. Es darf kein Tabu sein, sich Hilfe zu holen.

Trotz all dieser Punkte verstehe ich schon, dass es nicht ganz einfach ist, dass die Angst vor Übergriffen bei vielen so hoch ist, dass es zu sozialer Ausgrenzung käme, wenn sich Pädophile outen würden.

Angst vor Kindesmissbrauch?

Um an sozialer Ausgrenzung von Pädophilen etwas zu ändern, gehört für mich Aufklärung dazu. Deshalb nochmal:

Etwa 80% der Gewalttäter sind nicht pädophil.

Alle, die Kinder schützen wollen, sollten das wissen. Noch immer geistert “der böse schwarze Mann, der dich überfällt” herum. Genau diesen gibt es jedoch kaum. Sexuelle Gewalt an Kindern passiert relativ selten durch den fremden Pädophilen auf der Straße. Kinder erleben sexuelle Gewalt oft in der Famile, im ganz nahen eigenen Umfeld. Es hilft nicht vorm “bösen Mann” zu warnen, wenn die meisten Taten im direkten Umfeld passieren.

Kinder wirksam schützen

Kinder wirksam schützen, klappt nicht durchs Angst machen, nicht durchs Vorverurteilen von Pädophilen. Kinder schützen geht auf zwei Wegen:

  • Kinder stärken und ihnen beibringen “Nein” zu sagen
  • hinschauen, wenn etwas merkwürdig erscheint, genau hinsehen und im Zweifel handeln

Wie das geht, lässt sich lernen. Ein Einstieg für weitere Informationen ist z.B. diese Literaturliste.

Update 27.03.2012 mehr zu diesem Thema

Bei Alyama wurde aus dem ersten Artikel inzwischen eine Artikelreihe, ich werde hier nach und nach die Links zu ihren Beiträgen nachtragen:

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Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 13. März 2013 um 16:58 Uhr veröffentlicht und wurde unter nachdenkliches, mit dem Kurzlink
http://www.utele.eu/blog/?p=5393 abgelegt.

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5 Reaktionen zu “Sexuelle Gewalt an Kindern – wer macht das?”

  1. Lisa sagt:

    Danke für deinen sehr ausführlichen Kommentar zu meinem Post!

    Du hast völlig Recht, dass ich nicht erwähnt habe, dass die meisten sexuellen Übergriffe an Kindern tatsächlich nicht von Pädophilen verübt werden und es hier oftmals nicht einmal um Kinder direkt geht, sondern um Macht! Ich habe es zwar angedeutet, aber das hätte explizit rein müssen, weil es wichtig ist das zu erwähnen!

    Was den Titel angeht: Ich finde tatsächlich, dass jeder denken darf was er will und ich finde auch, dass ein Pädophiler durchaus diese Gedanken haben darf – nur ausleben, das darf er nicht, ganz klar. Was aber in seinem Kopf passiert geht niemanden etwas an, deswegen habe ich auch den Titel bewusst so gewählt. Mir ist klar, dass viele das unter Umständen anders sehen, aber ich bin was das angeht vermutlich extrem liberal. Ich würde sogar so weit gehen, dass ich sage, wenn sich diese Person Zeichnungen ansieht die seine Lust befriedigen, dann ist das in Ordnung. Solange es nicht um dokumentierten Missbrauch geht und kein Missbrauch stattfindet, wichtig!

    Was Strafen angeht: Ich verstehe Strafen quasi nie als “Strafe” (sonst könnte ich ja sagen, ich hacke dem Dieb eine Hand ab, damit er draus lernt), sondern als “Schutz für die Gesellschaft”. Daher: Therapie, Sicherheitsverwahrung, etc. Aber nicht “Strafe” im eigentlichen Wortsinn, derjenige muss nicht leiden, das verschafft mir – im Gegensatz zu dem was viele Eltern denken – keinerlei Seelenruhe.

    Und zuletzt: Die Hilfen die du aufzeigst sind super und wahnsinnig wichtig…aber leider gibt es das Projekt “Kein Täter werden” in zu wenigen Städten, es gibt zudem zuwenige Therapieplätze und es ist ein Angebot, das leider erstmal nur Männer direkt anspricht. Die Hürden sind mir allesamt zu hoch und das muss sich ändern. Und zwar schnell!

  2. Ute sagt:

    Lisa, klar, Strafe als Strafe im Sinne von “Hand ab” ist sicher keine Alternative.

    Und zum zuletzt: Eben weil es es wenig gibt, genau deshalb sollte es erwähnt werden. Es sollte sich rumsprechen, dass es etwas gibt. Ja, zunächst spricht es nur Männer an, aber irgendwo anfangen ist wichtig.

    Außerdem es dauerte lange bis ein bisschen über sexuelle Gewalt an Mädchen gesprochen wurde. Erst viel später wurde über sexuelle Gewalt an Jungen gesprochen. Täter waren anfangs immer nur Männer, erst viel später wurden auch da Täterinnen erwähnt. Alles braucht Zeit.

  3. Lisa sagt:

    Damit hast du völlig Recht.

  4. Ute sagt:

    Ich habe ein Update zu den weiteren Artikeln im Beitrag ergänzt und werde da auf die einzelnen Artikel von Alyama verlinken.

  5. […] schrieb:Ute bei Sexuelle Gewalt an Kindern – wer macht das?Ute bei Ich bin das nicht – ich will nach Hause…Aki Alexandra Nofftz bei Ich bin das […]

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