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Piratenergebnis im Wahlkreis Konstanz

26. September 2013 Ute

budget der Parteien 2013 via @derpupe auf twitterKurz vorab das Wahlergebnis ist schlecht, denn gewählt wurden Piraten nur von ihrer stabilisierten Stammwählerschaft, die es bereits 2009 gab. Es klappte nicht andere Wähler von der Piratenpartei zu überzeugen. Eine Gesamtanalyse sollte in den kommenden Wochen gezogen werden, aber ich bin nicht qualifiziert um Themen, Presse, Regionen usw. zu analysieren.

Bezogen auf den Wahlkreis Konstanz habe ich zumindest die Erfahrung mehrerer Wahlen und weiß auch ein bisschen, was bei nicht-Piraten ankam. Deshalb nehme ich mal diesen Wahlkreis, schaue ein bisschen genauer hin und ziehe erste Schlüsse aus meiner Sicht.

Im Grunde war das jetzt die dritte große Wahl, für die Piraten im Landkreis Konstanz. Die erste war die Bundestagswahl 2009, es folgten die Landtagswahlen 2011 und eben jetzt wieder die Bundestagswahl. Die Situationen unterschieden sich, die Zahl der Aktiven unterschied sich, was an Aktionen sichtbar war unterschied sich. In wie weit hatte es Einfluss auf die Ergebnisse und falls ja, wie lassen sich überhaupt Unterschiede erkennen?

Bundestagswahlen haben zwei Stimmen, die zweite Stimme ist die für die Partei, also die, die tatsächlich entscheidet. 2009 gab es in Konstanz keinen Direktkandidaten, es gibt daher auch keinen Vergleich. Die Wahlkreise bei Bundestagswahlen sind größer, für Konstanz bedeutet es, die Wahlkreise Konstanz und Singen der Landtagswahl ergeben genau den Bundestagswahlkreise Konstanz.

Konstanz ist eine Universitätsstadt, zum Vergleich daher noch die Ergebnisse für Freiburg und Tübingen, beide ebenfalls Unistädte und nicht so groß wie Stuttgart oder Karlsruhe, auch die Zahl der Aktiven ist in kleineren Städten überschaubarer.

Baden-Württemberg als ganzes Land unterscheidet sich nur wenig, 2009 und 2011 gab es 2,1% der Stimmen, dieses Mal waren es 2,3%. Die Wahlbeteiligung 2009 lag bei 72,4%, 2011 waren es 66,3% und dieses Mal waren es 74,3%. Die reine Stimmenanzahl unterscheidet sich daher auch etwas. Für 2,1% hätte es bei dieser 2013-Wahl 119.873 Wähler gebraucht.

Piraten Erststimmen Zweitstimmen
Anzahl % Differenz zur vorigen Wahl in Prozent Anzahl % Differenz zur  vorigen Wahl in Prozent
Wahlkreis Konstanz 287 #btw13 3.197 2,2 2,2 3.187 2,2 -0,2
Wahlkreis Freiburg 281 #btw13 3.839 2,3 2,3 4.972 3,0 0,2
Wahlkreis Tübingen 290 #btw13 4.402 3,0 3,0 3.979 2,7 0,1
Wahlkreis Konstanz 287 #btw09 kein Direktkandidat  – 3.298 2,4 2,4
Wahlkreis Freiburg 281 #btw09 kein Direktkandidat 4.289 2,8 2,8
Wahlkreis Tübingen 290 #btw09 kein Direktkandidat 3.648 2,6 2,6
Baden-Württemberg #btw09  11.400  0,2 0,2  112.006  2,1 2,1
Baden-Württemberg #btw13  113.919  2,0 1,8  130.662  2,3 0,3
Stadt Konstanz #btw13  1.044  2,3 2,3 1.197 2,7  -0,9
Stadt Singen #btw13  551 2,9  1,0
Stadt Konstanz #btw09  –  – 1.481 3,6 3,6
Stadt Singen #btw09  337 1,9 1,9
Baden-Württemberg #ltw11 Landtagswahl mit einer Stimme 103.618 2,1 2,1
WK Konstanz #ltw11  Landtagswahl mit einer Stimme  –  1.608 2,5 2,5
WK Singen #ltw11  Landtagswahl mit einer Stimme  –  –  1.340 2,2 2,2
WK Konstanz und Singen (wie bei btw) #ltw11  Landtagswahl mit einer Stimme  –  –  2.948 2,4 2,4
WK Freiburg #ltw11  Landtagswahl mit einer Stimme  –  –  1.787 2,3 2,3
WK Tübingen #ltw11  Landtagswahl mit einer Stimme  –  –  2.104 2,2 2,2
Stadt Konstanz #ltw11  1.075 2,8 2,8
Stadt Singen #ltw11  346 2,2 2,2

Einmal habe ich zusammengerechnete Landtagswahlkreise genutzt, weil die Kreise Singen und Konstanz bei Bundestagswahlen ein gemeinsamer Wahlkreis sind. Gültige Stimmen im Wahlkreis Konstanz 64.689 davon 1608 für die Piraten. Im Wahlkreis Singen  59.834 davon 1340 für die Piraten. Gesamt waren es also 2.948 Stimmen, und somit 2,37% gerundet also 2,4%.

Unterschiede im Ergebnis im Wahlkreis Konstanz 2009 und 2013

Dieses Mal fand der Wahlkampf für den Wahlkreis Konstanz überwiegend in Singen statt. In Singen ist das Ergebnis auch deutlich gestiegen um 1% im Vergleich zur vorherigen Bundestagswahl. Gleichzeitig ging das Ergebnis in Konstanz um 0,9% zurück. Auf den ersten Blick wirkt das, als wäre es egal oder sogar ein minimaler Anstieg um 0,1%. Für den Wahlkreis ergibt sich jedoch ein Rückgang um 0,2%. Der Haken ist, Singen ist sehr viel kleiner als Konstanz. Eine Verbesserung dort wirkt sich daher nur minimal auf den Wahlkreis aus, während die Verschlechterung in Konstanz gravierende Auswirkungen hat. Ein Rechenbeispiel:

Wahlkreis / Ort Gültige Stimmen in Zahlen und %
Wahlkreis WK in % Stadt Konstanz Konstanz in % Stadt Singen Singen in %
IST btw13 145.812 2,2% (3.187) 1.197 2,7% 551 2,9%
Annahme I* 145.812 3,0% (4.422) 1.596 3,6% 361 1,9%
Annahme II* 145.812 3,3% (4.821) 1.995 4,5% 361 1,9%

Annahme I * und Annahme II* gehen davon aus, dass es in Singen fast keine Aktivität gegeben hätte. Stattdessen hätte man sich auf Konstanz konzentriert.

Anhand der leicht gestiegenen Ergebnisse in Freiburg und Tübingen, habe ich mit zwei Varianten gerechnet.
Annahme I * Einmal das IST-Ergebnis + dem Anteil an mehr Aktivität, also so wie zur Wahl 2009. Damit wäre Konstanz unverändert gewesen und der Gesamtanteil im Wahlkreis wäre statt bei 2,2% bei 3%.

Annahme II* Auch in Konstanz wäre eine Verbesserung um die Aktivität möglich gewesen, dann wäre es das Ergebnis von 2009 + der Aktivität, damit wäre der Wahlkreis als Ganzes auf 3,3% gekommen.

Was lässt sich daraus lernen?

Aus meiner Sicht ist klar erkennbar, dass Orte mit erhöhter Aktivität mehr Stimmen bekommen. Singen als Industriestadt hat potenziell eher weniger Piratenwähler als Konstanz. Nichtsdestotrotz stieg der Anteil der Wähler signifikant. Konstanz hätte noch mehr Potenzial, womöglich hätte also sogar meine Annahme II eine Chance. Wenn ich das betrachte, dann waren es jetzt 2,2% es wären jedoch auch 3,3% möglich gewesen. Das ist das eineinhalbfache des tatsächlichen Ergebnisses.

Wahlkampfbudget und Erfolg daraus

Es gibt eine Übersichtsgrafik wie viel Geld bei welcher Partei zur Verfügung stand und wie viele Stimmen daraus entstanden. Grafik Wahlkampfbudget
Zusammengefasst schneiden die Piraten am besten ab, wäre eine Million verfügbar gewesen, so hätte es für über 5% gereicht. Die Piraten brauchten weniger als 200.000 € für 1 % der Stimmen. Am anderen Ende steht die SPD, die über 800.000 € ausgab um 1% der Stimmen zu erhalten.
Fakt ist, die Piraten werden auch bei den nächsten Wahlen nicht so viel Budget haben, wie andere Parteien. Umso wichtiger ist es, darauf zu achten, so effektiv wie möglich zu arbeiten. Am Beispiel des Wahlkreises Konstanz würde das bedeuten, alle Aktivitäten nach Konstanz zu verlegen, weil sich hier alles was getan wird, am stärksten auswirkt.

Plakatmotive und ihr Erfolg

Nach meiner Wahrnehmung kam das Gestalterische und auch die frecheren Sprüche durchaus sehr gut an. Die Plakate hatten jedoch einerseits mit der wechselnden Farbgebung (teils orange, oft blau, manchmal pink) nicht immer Wiedererkennungswert. Die meisten Texte waren zuviel und zu klein für Plakate, die an Straßen erkannt werden sollen. Fast alle Motive eigneten sich für Fußgängerzonen u.ä. also für Stellen an denen, die Menschen mehr Zeit haben und näher dran sind. Viele Plakate hingen jedoch z.B. im Kreis Konstanz an Zufahrtsstraßen, da war oft selbst das “Piraten wählen” im Vorbeifahren kaum erkennbar.

Angenommen aus den oberen Punkten würde man sich entscheiden, sich intensiv auf Städte zu konzentrieren, so müsste man in Konstanz trotzdem fast 2/3 der Plakate an Straßen entlang hängen. Sprich es bräuchte deutlich mehr dafür geeignete Plakate.

Köpfe auf den Plakaten

Außer den Piraten selbst wusste kaum jemand warum es diese Gesichter gab. Nach Pannen wie der FDP-Familie, die irgendwo gekauft wurde, kam kaum jemand auf die Idee, dass diese Personen aktive Piraten seien. Wenn ich mit weniger piraten-interessierten Menschen spreche, dann kennen sie “die Marina oder wie hieß die junge Frau” und “da war doch noch der Müllmann”. Je nach Region gab es einige Piraten, die vielleicht darüber hinaus noch bekannter waren, aber unterm Strich, gab es eben nicht _die_ Gesichter der Partei.

Themen der Piraten

Ja, das Wahlprogramm bietet viel. Aber das ist nur in Teilen relevant. Menschen wählen keine viele-Seiten-Programme, Menschen wählen, wem sie zutrauen, bei ihnen wichtigen Themen passend zu entscheiden. Ein Problem ist dabei für kleine Parteien natürlich immer die 5%-Hürde, glauben Wähler nicht an den Einzug, dann gibt es viele, die ihr Kreuz direkt woanders machen. Außerdem gibt es Themen, die eindeutig bestimmten Parteien zugeordnet werden. Wer Hotelier ist, wählt die FDP, wem Umwelt besonders wichtig ist nimmt die Grünen usw. Das heißt, es ist sinnlos viel Werbung und bereits besetzte Themen zu investieren, denn dafür werden Piraten nicht gewählt.

Das heißt nicht, dass die Themen nicht da sein sollen, es spricht nichts dagegen z.B. das Umweltthemen mit drin zu haben. Aber das wird nur relevant, wenn jemand bereits überlegt, Piraten zu wählen und dann noch nachsieht wie die Piraten zu weiteren Themen stehen. Gewählt wegen der Umwelt werden weiter die Grünen.

Aktuell höre ich von Außenstehenden oft “die Piraten, die Netzpartei” und dann “das Netz ist mir aber nicht so wichtig”. Was Transparenz, Bürgerrechte, Bürgerbeteiligung, Menschenrechte, liberal und Freiheit angeht, das verbinden nur wenige mit den Piraten. Für viele sind es auch viel zu abstrakte Themen, Themen für ein “ja, ja, das wäre schon auch gut, aber vor allem…” und das “vor allem” ist meist ein anderes Thema, Existenzsicherung, Familie, Krise, Eurozahlungen…

Aus meiner Sicht muss das Hauptthema sein, Politik anders zu machen, aber eben nicht mit der Außenwirkung: “die streitende Chaotentruppe”.

Piraten und Medien

Ja, die Medien berichten in Wahlkampfzeiten vor allem über die Parteien, die bereits im Bundestag sind oder von denen die Umfragen sagen, dass sie voraussichtlich einziehen werden. Die Grundlage um zu Themen in den Medien vorzukommen, ist eben genau nicht die Wahlkampfzeit. NSA-Affäre letztes Jahr im Herbst und dazu ein Dutzend Fachmenschen der Piraten, die immer wieder gefragt werden hätten können, ich denke, es hätte mehr Einladungen gegeben. Mit dieser Basis, wären dann auch zu Wahlkampfzeiten die Umfragewerte besser gewesen, damit wären die Chancen gestiegen auch dann in den Medien vorzukommen.

Langfristiges Denken ist nicht gerade eine Piratenstärke. Oft ist es ein Losrennen, wenn es dann grad nötig ist. Das ist prima als Wahlkampfsahnehäubchen, aber das reicht nicht um dauerhaft präsent zu sein. Es braucht jedoch die dauerhafte Präsenz, damit viele Menschen, die Piratenpartei überhaupt als Variante wahrnehmen.

Piraten in der Öffentlichkeit

Bezogen auf meine Betrachtung im Wahlkreis Konstanz, müssten Piraten regelmäßig sichtbar sein. Ich habe es da leichter, auch ohne Piratenbutton wissen ganz viele bei einer Demo oder einer politischen Veranstaltung, dass ich Piratin bin. Das liegt einerseits daran, dass ich mit langen weißen Haaren relativ unverwechselbar bin, aber es liegt zusätzlich daran, dass viele mich aus dem Landtagswahlkampf kennen. Die einen von Plakaten, die anderen von Veranstaltungen, manche von Infoständen, Plakaten aufhängen und ähnlichem auf der Straße. Ich tippe mal in Konstanz müsste es zumindest fünf Gesichter geben, die auch außerhalb von Wahlkämpfen immer und immer wieder mit den Piraten verbunden werden. Alternativ müssten wohl regelmäßig zwei, drei als Piraten erkennbare Personen bei verschiedensten Aktionen in Konstanz sichtbar sein.

Die Katze beißt sich in den Schwanz, die sowieso schon wenigen Aktiven, schaffen mal eine kurzzeitige Aktion wie einige Wochen Wahlkampf. Aber mit einer Handvoll Aktiver ist es unmöglich dauerhaft präsent zu sein. Trotzdem ist das aus meiner Sicht der Weg, denn beispielsweise bei einer Stop-watching-us-Demo sind eben auch mal weniger aktive Piraten. Da gibt es auch mehr Menschen, die tendenziell an Piraten interessiert sein könnten. Sprich so könnte die Zahl Aktiver steigen.

In den letzten Monaten wurde ich immer mal wieder nach einem Stammtisch gefragt, es gab in Konstanz jedoch keinen. Klar, es gab Zeiten mit einem gut besuchten wöchentlichen Stammtisch, 2009 waren oft über zwanzig Teilnehmende da. Seit Jahresbeginn gab es als Gegenstück gar keinen Stammtisch in Konstanz. Natürlich können es wenige Aktive nicht leisten, wöchentlich einen tollen Themenabend veranstalten, der womöglich noch in der Tageszeitung unter Terminen erscheint. Aber gar nichts führt eben zu Unsichtbarkeit.

Fazit

Für mich ist das Fazit, sehr hauszuhalten mit dem was möglich ist. Sei es das Budget oder seien es die Aktiven. Je weniger von beidem vorhanden ist, desto wichtiger ist es, sich genau zu überlegen, was getan wird. Aus meiner Sicht kommt hinzu, Kraft und Budget zu bündeln und sich bei Wahlkreisen anzusehen, wo es die besten Chancen gibt, um möglichst viel zu erreichen. Und “last but not least” die Außenwirkung der Piratenpartei muss sich verbessern. Das geht mit Sichtbarkeit, mit Ehrlichkeit, aber nur solange es konstruktiv ist und sich nicht gegen einzelne Personen richtet.

Manches lässt sich am Ergebnis eines einzelnen Wahlkreises beeinflussen, optimiert kann es statt rund 2% auch mal auf 4% ansteigen. An diesem Potenzial können die Aktiven vor Ort etwas bewegen. Für den Einzug in Parlamente muss  jedoch noch mehr stimmen. Diese Analysen überlasse ich jedoch anderen, die da qualifiziertere Aussagen machen können.

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Der Beitrag wurde am Donnerstag, den 26. September 2013 um 08:35 Uhr veröffentlicht und wurde unter politik, mit dem Kurzlink
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2 Reaktionen zu “Piratenergebnis im Wahlkreis Konstanz”

  1. Markus sagt:

    Jetzt muss ich meinen Arbeitsfreitag doch nochmal unterbrechen. Ich muss das los werden: Dies ist die beste Analyse, die ich im Zusammenhang mit der Bundestagswahl bisher gelesen habe. Vielen Dank dafür, auch wenn Du sicher nicht gerade an mich gedacht hast, als Du Dir diese Arbeit gemacht hast.

    Und ich kann aus dieser Analyse auch Dinge ziehen, die man aus meiner Sicht verallgemeinern kann. Für die Piraten wird es sicher einer der wichtigen Dinge sein, dass sie die zukünftigen Wahlkämpfe möglichst „smart“ angehen. Gerade die Konzentration auf die Regionen, in denen man stark ist und gleichzeitig vielleicht sogar das gezielte Vernachlässigen von Regionen, in denen man auf verlorenem Posten steht, können auch eine Bewegung mit wenig Geld und Leuten stark machen. Natürlich: man kann erst smart handeln, wenn man die Voraussetzungen geschaffen hat und diese sind, dass man aufhört, sich öffentlich zu streiten. Die Leute sollen euch ja ihre Stimme geben und natürlich denken mehr und mehr Wähler genau nach, wo ihre Stimme die größte Wirkung erzielen kann. Weniger Streit, ein zielgerichtetes und im richtig verstandenen Sinne des Wortes professionelles Auftreten (Motto: „Oh, der/die weiß aber, von was er/sie spricht!“) sind Gold wert. Und dann arbeitet auch der Faktor Zeit quasi für euch, denn über eine längere Zeit lassen sich die Leute auch nicht mehr verunsichern, wenn der politische Gegner mal wieder mit Dreck schmeißt.

    Themen. Ich habe ja nun keinen Wahlkampf gemacht für eine Partei oder auf gesonderten Veranstaltungen. Ich habe mir vorgenommen, das Thema Datenschutz, Rechte an Daten etc., also das, was folgt aus dem, was wir von Edward Snowden erfahren haben, in meinem Umfeld zu thematisieren und habe das auch ausgehend von den ersten Leaks von Snowden, durchgehalten. Zudem sprach und spreche ich mit anderen Leuten, die ähnlich handeln. Beinahe einhelliges Feedback: PRISM & Co. interessiert die Leute nicht. Oder besser: es ist interessiert sie so lange nicht, wie sie nicht begreifen, dass wir bei diesen Dingen ja nicht davon sprechen, dass Regierungen sich gegenseitig ausspähen. Es beginnt sie in dem Maße zu interessieren, wie man ihnen dieses komplex wirkende Thema nach Hause und in ihr Leben bringt. Da liegt vielleicht auch noch eine Möglichkeit und eine Chance für Wahlkämpfer und Leute, die einfach generell Bewusstsein wecken und bilden wollen. Natürlich ist das ein Marathon und es ist nicht eine Sache, die schnell erfolgreich abgeschlossen werden kann. Gleichzeitig glaube ich, dass die Piraten sich thematisch öffnen sollten bzw. dass sie das, was in ihrem Programm schon enthalten ist, auch offensiv thematisieren sollten. Ob es BGE ist, Bürger- und Verbraucherrechte auch abseits des Computers und des Internets, Energiewende. Die Themen liegen auf der Straße, aber sie wollen erklärt werden. Bei vielen dieser Dinge schauen die Menschen nicht durch oder sie schauen zu kurz. Sie schauen oft nicht einmal bis zum Tellerrand und schon gar nicht darüber hinaus. Aber, dass weißt Du alles selber, vermutlich sogar deutlich besser als ich.

    Deine Analyse gibt jedenfalls nicht nur Antworten auf das konkrete Wahlergebnis vom vergangenen Sonntag, es liefert auch Antworten darauf, wie man zukünftig handeln sollte. Eine feine Sache, wenn da jemand mal richtig nachdenkt, aber: so kenne ich Dich ja sowieso. Ich sags mal ganz anders: Ute findet jeden Fehler (und eben auch Chancen)! :)

  2. Ute sagt:

    Danke fürs Lob Markus und für deinen ausführlichen Kommentar. :)

    Weniger Gezicke ist ganz sicher ein sehr wichtiger Punkt. Insgesamt lassen die letzten Monate diesbezüglich ja hoffen, es waren da eher einzelne, aber so als Ganzes war es besser. Allerdings für diese Wahl kam das zu spät, von Ostern bis Herbst lässt sich nicht mehr aufbauen was vorher über lange Zeit an Porzellan zerschlagen wurde.

    Professionell gibt es teils schon, ich bin immer mal wieder auch fasziniert wie fundiert auch sehr junge Piraten argumentieren.

    Themen, die rund um Prism & Co sind, sind sehr sehr schwer so zu argumentieren, dass es Menschen interessiert, die gerade viel mehr über ihre Finanzen nachdenken.

    Klar, Piraten haben schon Themen, die kaum jemand bemerkt hat. Schwierig ist aus meiner Sicht zu sehen, wie viel lässt sich in zwei, drei Sätzen erklären. Wenn es z.B. um Plakate und Flyer mit Kurzinfo geht, dann ist aus meiner Sicht weniger mehr. Gibt es zu viele Themen, dann wird es noch schwieriger diese so zu kommunizieren, dass sie wahrgenommen werden. Die Rückmeldungen von außen zeigten, dass es oft gar nicht so klar ist, was den Piraten selbst offensichtlich erscheint. Diese Rückmeldungen sollten wir sehr ernst nehmen und daraus lernen.

    Ein schönes Beispiel für Rückmeldungen war für mich auch der TV-Spot. Piratenintern reagierten ganz viele entsetzt und fanden den Spot ganz schlimm, manche überlegten, wie es noch kurzfristig einen anderen Spot geben könnte. Dagegen habe ich von Außenstehenden sehr viel Lob gehört und gelesen. Der Spot kam also da an, wo er sollte, bei denen, die eben nicht sowieso schon Piraten wählen wollten.

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