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Piratin – Binnen-I und Gendergap

15. April 2013 Ute

Buttons Piraten Konstanz 2010 PiratenparteiIch nutze kein Binnen-I, ich mag das nicht. Ich nutze auch kein Gendergap, das ist nicht meins. Ich habe eine Vorliebe für eine möglichst neutrale Sprache.

Unter anderem habe ich mal Spanisch gelernt. Im Spanischen ist es üblich für gemischte Gruppen, die männliche Form zu nutzen. Das ist wie im Deutschen auch. Im Spanischen ist es jedoch ebenso selbstverständlich für eine Frau oder eine Gruppe von Frauen die weibliche Form zu nutzen. Mal für die Mitglieder der Piratenpartei umgesetzt:

  • ein männliches Mitglied -> Pirat
  • eine Gruppe männlicher Mitglieder -> Piraten
  • eine Gruppe männlicher und weiblicher Mitglieder -> Piraten
  • ein weibliches Mitglied -> Piratin
  • eine Gruppe weiblicher Mitglieder -> Piratinnen

Die Piratenpartei hat jedoch durchaus auch weibliche Mitglieder, die sich selbst als Pirat bezeichnen.

  • Pirat -> für weibliche Mitglieder, die von sich selbst so sprechen

Bis hierhin ist für alle Mitglieder die Welt in Ordnung.

Die Piratenpartei hat allerdings auch weibliche Mitglieder, die sich selbst als Piratin bezeichnen.

  • Piratin -> für weibliche Mitglieder, die von sich selbst so sprechen

Und jetzt plötzlich ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Jetzt gibt es Piratenmitglieder, die sagen, dass ich das nicht dürfe. Ich dürfe von mir nicht als Piratin sprechen. Ich dürfe nicht Piratin schreiben.

Einige tun das jedoch, einige schreiben Piratin, Piratinnen, PiratInnen, Pirat_innen, Pirat*innen usw.

Weil das jetzt nicht ok ist, bietet die Partei auf einem offiziellen Medium, also im Syncforum an, dass sowas Schlimmes niemand lesen muss. Es kann ausgeblendet werden.

Wenn ich also schreibe: “Ich bin Piratin und das ist gut so.” Dann steht da nur noch, ” Ich bin Pirat und das ist gut so.” Nein, nicht ganz, genau diese Form wird nicht geändert. Aber das ist Zufall, ich könnte auch eine Form bevorzugen, die eben sehr wohl geändert wird.

Ich habe mich ganz bewusst an keiner Kampagne beteiligt, in der es Fotorahmen gab, die sagten “Ich bin Pirat”. Ich – für mich – in meiner Welt, bin Piratin. Wenn ich das nicht sagen, nicht schreiben darf, wenn ich das nicht selbst entscheiden darf, wie ich es haben will, sorry Leute, dann ist das nicht meine Partei. Im Syncforum darf ich das, ich las jedoch schon häufig, dass es Piratenmitglieder gibt, die mir das verbieten wollen. Für mich soll jedwede Schreibweise respektiert werden.

Meinungsfreiheit und Piratenpartei

Kürzlich wurde im Syncforum eingeführt, dass eingestellt werden kann, alles zu unterdrücken, was Binnen-I, und Gendergap ist. In wie weit auch weibliche Formen unterdrückt werden ist nicht ganz klar, wohl nur dann wenn es doppelte Formen gibt, also bei Piratin und Pirat, aber nicht wenn da nur die weibliche Form steht. Im Syncforum kann ich seit gestern einstellen, dass meine Beiträge nicht angepasst werden. Wenn es mir also wichtig ist, kann ich zumindest mit den offiziellen Einstellungen verhindern, dass da nur steht: “Ich bin Pirat.”

Ich bin Piratin, weil es eine Partei ist, die verschiedene Menschen und Meinungen zulässt und Wege sucht, vielfältige Sichtweisen zu vereinen. Meinungsfreiheit war aus meiner Sicht mal ein ganz wichtiger Teil der Piratenpartei.

Das Minimum an Meinungsfreiheit ist, dass auch bei Genderthemen alle Menschen selbst entscheiden dürfen, wie sie sich selbst nennen und wie sie von anderen sprechen. Mittlerweile gibt es im Forum jetzt die Option, dass die eigenen Beiträge nicht geändert werden, falls sie gegendert sind. Ich vermute mal, dass das auch klappt, wenn ich mit der Mailadresse auf eine Liste schreibe, mit der ich im Forum angemeldet bin und bei der ich die Einstellung gemacht habe. Allerdings frage ich mich dann schon, wozu es die Optionen gibt. Denn wem wichtig ist, wie die eigenen Beiträge erscheinen, wird das wohl einstellen. Damit hat sich die ursprüngliche Version es unsichtbar zu machen, wohl erledigt.

Genderthemen

Einige beschweren sich in letzter Zeit über zuviel Genderthemen. Nun, ich halte mich aus Genderthemen meistens eher raus. Es ist für mich nicht das wichtigste Thema. Dieser Artikel hierzu entstand auch nicht, weil mir das Thema prinzipiell so sehr wichtig ist. Dieser Artikel entstand, weil manche verbieten wollen, dass ich selbst entscheide, wie ich von mir und anderen spreche. Ich lasse mir das nicht verbieten. Ich bin Piratin – Punkt. Und ich will, dass sich alle aussuchen können, wie sie schreiben, wenn das mit Binnen-I oder Gender-Gap ist, dann ist auch das zu respektieren.

Lange war es so, dass sich Piraten freuten, wenn andere sich um Themen kümmerten, die einem selbst nicht so wichtig waren. Überwiegend, klappt das bis heute, bei ganz vielen Themen. Was ist so schlimm daran, dass sich nun auch manche um Genderthemen kümmern? Entweder es ist mir egal, dann kann ich andere doch einfach machen lassen. Oder es ist ein Thema welches mich interessiert, dann kann ich mich beteiligen. Erschreckend ist für mich, dass es bei diesem Thema, nach wie vor fast immer, knallt und kracht.

 

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Der Beitrag wurde am Montag, den 15. April 2013 um 11:23 Uhr veröffentlicht und wurde unter politik, mit dem Kurzlink
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5 Reaktionen zu “Piratin – Binnen-I und Gendergap”

  1. Laser sagt:

    Aus der Satzung:
    §1 (5) Die in der Piratenpartei Deutschland organisierten Mitglieder werden geschlechtsneutral als Piraten bezeichnet.

    Das heißt aber nicht, daß sich ein Mitglied nicht auch als Piratin bezeichnen darf. Es heißt imho auch nicht, daß man nicht von Piraten und Piratinnen sprechen darf.

    Du hast allerdings in dem Post vergessen, daß es durchaus auch Piraten gibt, die gegenderte Sprache zur Pflicht machen wollen. Und diejenigen, die diese nicht benutzen, als Sexisten bezeichnen.

    Meiner Meinung nach sind beide Seiten ähnlich verbohrt.
    Wie war das nochmal mit liberal?

    Gruß
    Jochen

  2. NineBerry sagt:

    Zu spät, das Feature wurde doch vorgestern schon abgeschaltet ^^

  3. Ute sagt:

    @Laser Ich will gar keine Pflicht bei Sprache. Gern überzeuge ich jemand, dass neutrale Sprache Vorteile hat und etwas verändert, aber ich bin gegen jedweden Zwang und fände es ebenso falsch, wenn im Forum alle Texte auf gegenderte Formen umgeschrieben würden.

    Dass Sprache jedoch auch das Denken beeinflusst, habe ich ja schon vor Ewigkeiten auch hier im Blog zu erklären versucht:
    http://www.utele.eu/blog/nachdenkliches/raetsel-na-wer-weiss-es-kommentare-erwuenscht/

    @NineBerry Ich habe es so verstanden, dass es im Moment ausgeschaltet ist, wegen eines Antrags an den BuVo hierzu. Je nach Entscheidung des BuVo könnte es also wieder kommen.

  4. Mike sagt:

    Hmm das generische Maskulinum für alle Geschlechter zu verwenden empfinden ich gerade NICHT als neutrale Sprache.

    Ich habe auch einige Zeit gebraucht um mich mit Binnen-I oder sonstiger Kennzeichnung der verschiedengeschlechtlichkeit in unserer Sprache anzufreunden, aber psychologische und soziologische Studien zeigen immer deutlicher, wie wichtig unsere Wortwahl ist.

    Sehr lesenwert dazu ist der folgende Text der JuPis, inklusive der Links.

    https://junge-piraten.de/die-jungen-piraten/warum-wir-gendern/

  5. Ute sagt:

    Mike, ich persönlich mag neutrale Sprache, also möglichst so, dass sie nicht einfach das generische Maskulinum verwendet. Ich spreche von mir in weiblicher Form, aber ich mag nicht um Sprache streiten. Je mehr Menschen verschiedene Formen nutzen, desto mehr bewegt sich. Ich will überzeugen, aber niemand zu einer Sprachform zwingen, die diese Person nicht nutzen will.

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