Es ist an der Zeit… Weihnachten auf Malta

…es ist an der Zeit weiter zu berichten, inzwischen habe ich die Serie zu Ende geschrieben, der letzte Teil kommt am ersten Weihnachtsfeiertag.

Im ersten Teil war es Hochsommer, im letzten, dreizehnten Teil erzählte ich vom Herbst mit Halskrause, inzwischen stand Weihnachten vor der Tür.  Auch mit Halskrause und einem Stück Alltag, gab es doch viele Fahrten nach Freiburg, Untersuchungen in Konstanz, es war alles sehr wacklig. Irgendwann kurz vor Weihnachten die Genehmigung, dass die Halskrause weg darf, weil die verschraubten Platten jetzt so fest seien, dass es diese zusätzliche Unterstützung nicht mehr brauche. Wieder ein Stückchen geschafft, wieder ein bisschen weiter weg vom Kranksein.

Im November war ich mit Roland eine Woche in den Flitterwochen auf Mallorca, das ließ sich zwischen die Freiburgtermine schieben. Mallorca bot sich an, damit ich wenigstens ein bisschen was für mein Spanisch tun konnte. Denn in meiner Umschulung zur fremdsprachlichen Wirtschaftskorrespondentin hatte ich inzwischen ja doch auch einige Fehlzeiten. Das Kind hatte allerdings noch keinerlei räumlichen Abstand vom Klinikaufenthalt. Roland schrieb gerade seine Diplomarbeit und wollte nicht vom Schreibtisch weg, aber er beschloss, dass wir Abstand bräuchten und kaufte uns zwei Wochen auf Malta inklusive Flug. Gedacht als Weihnachtsgeschenk ging der Flug jedoch schon vor Heiligabend, deshalb musste er uns schon vorher einweihen.

Für mich war es wieder eine organisatorische Herausforderung, zwar hatten meine Noten in den sprachlichen Fächern nicht groß gelitten, ich stand weiter zwischen eins und zwei. Maschinenschreiben war jedoch mein Problemfach. Ich konnte zwar fast so schnell wie gefordert tippen, aber gewöhnt an einen Computer, klappte die geforderte Fehlerfreiheit nicht. Das Problem war die Maschinenschreibprüfung wäre bereits im März und nur wer diese Prüfung bestünde, wurde zu den anderen Prüfungen der Umschulung überhaupt zugelassen. Zwei Wochen ohne zu üben, konnte ich mir einfach nicht leisten. Deshalb fuhren das Kind und ich mit recht umfangreichem Gepäck zum Flughafen. Ich nahm meine Schreibmaschine mit, weil ich noch immer nicht so tippen konnte, wie für die Prüfung im März gefordert. Der Junge war zum Glück die Halskrause los, aber da waren ja einige Titanplatten und Schrauben an der Wirbelsäule, niemand konnte mir sagen, ob die automatischen Kontrollen anschlagen würden. Ich hatte vorsichtshalber einen Arztbericht dabei, falls es schief gehen würde.

Ich fliege nicht gern, so wie ich insgesamt ungern irgendwo bin, wo ich nicht jederzeit gehen kann. Mein Sohn flog zum zweiten Mal in seinem Leben, ich zum dritten Mal, erstmals flogen wir irgendwohin, wo wir niemand kannten und nur auf uns gestellt waren. Das erste Mal flogen wir nach England, um Roland zu besuchen, mein zweiter Flug war nach Mallorca mit Roland, einen Urlaub wie auf Malta hatten mein Sohn und ich so noch nie gemacht. Aber es klappte alles problemlos, der Vorteil von Pauschalreisen ist, dass ja alles organisiert wird, so war es auch einfach für einen Teil der Zeit ein Auto zu mieten, um größere Ausflüge machen zu können.

  • Heiligabendfrühstück auf der Terrasse24.12. 98 Terrassenfrühstück auf Malta

Heiligabend auf der Terrasse

Einige wenige Geschenke hatten wir dabei, der Rest waren Gutscheine für die Dinge, die nicht so sinnvoll gewesen wären. Frühstück in der Sonne auf der Terrasse an Heiligabend, fanden wir beide klasse. Von Anfang an hatte der Koch einen Narren an dem Kind gefressen und auch der Kleine fand den Koch supernett. Die beiden hatten zwar keine gemeinsame Sprache, aber das störte nicht, sie verständigten sich auch so. Notfalls half ich aus und übersetzte.

Ich hatte einen aufblasbaren Weihnachtsbaum mitgenommen und mein Junior war beeindruckt, dass es einen Baum mit Geschenken drunter gab. Ein bisschen komisch war es schon, so Heiligabend zu zweit kannten wir auch nicht, auch in den nächsten Tagen gab es keine Termine, keine Familienfeier. Aber Sonne, ein anderes Land, Zeit und Ruhe war schon nicht schlecht.

Vielleicht war es die andere Umgebung, eventuell war es ein bisschen viel Ruhe, jedenfalls kämpfte das Kind von Anfang an ziemlich mit seinem Asthma. Kurz nach Weihnachten kam ein Magen-Darminfekt hinzu und selbst der Koch konnte ihn nicht dazu bewegen etwas zu essen. Als es auch nach einigen Tagen nicht besser wurde, beschloss ich mit ihm zum Arzt zu gehen. Ich hatte keine Ahnung wie ich das bezahlen sollte, an eine Krankenversicherungsbescheinigung oder so hatte ich einfach nicht gedacht. Ob es der legendäre Charme meines Sohnes war, oder ob der Arzt einfach so nett war, weiß ich nicht. Auf jeden Fall verlangte er nichts für seine Untersuchung und gab uns ein Rezept mit für ein Medikament. Es wurde dann besser, aber richtig gesund war das Kind in den zwei Wochen nie.

Mit krank und halbkrank hatten wir jedoch einige Übung und so klappte es recht gut, trotzdem viel zu unternehmen. Die Ausflüge waren eben ein bisschen kürzer, aber wir unternahmen viel. Für einige Tage konnten wir uns sogar ein Auto leisten und noch weitere Teile der Insel erkunden, sowie einen Abstecher nach Gozo zur Nachbarinsel machen. Insgesamt war es gut und wir unterhielten uns viel über alles mögliche. Meine Maschinenschreibübungen machte ich immer direkt nach dem Abendessen, so störte es weder den Tagesablauf, noch den erhöhten Schlafbedarf des Kindes.

Wir hatten insgesamt dort viel Spaß miteinander. Sei es beim Steine sammeln am Meer, beim Zählen der unzähligen Kirchen, beim Staunen wieviel glitzernde Weihnachtsartikel angeboten wurden, beim Bewundern und mit uns vergleichen der sehr runden Steinfrauen, beim den Glasbläsern zuschauen… Immer wieder staunten wir über die vielen Autos in den engen Gassen der Innenstadt. Wir wunderten uns über das viele Hupen und freuten uns am ungewohnten Linksverkehr, wir fuhren fasziniert immer wieder mit einem der viele Busse, die zwar alle gelb waren, aber die jedem Fahrer selbst gehören. Nachdem ich die ganze Zeit ziemlich gespart hatte, reichte es an unserem letzten Tag, sogar für die Fahrt mit der Kutsche, die er sich so gewünscht hatte und die auch ich sehr gerne machen wollte.

Es lief insgesamt alles so weit glatt, der Junge kam durch die Geräte der Flughafenkontrolle, meine Schreibmaschine erzeugte zwar Verwunderung, aber keine Probleme. Bei der Zollkontrolle zurück in Zürich schaute der schweizer Zöllner unsere Ausweise genauer an, sah dann mich an, danach nochmal das Kind und fragte:

„Ist das ihr Sohn?“ ich bejahte, er fragte zurück „Sind Sie sicher?“,  ich bestätigte erneut, wenn auch leicht verwundert, bis mir klar wurde was ihn irritierte. Er winkte uns durch und mein Junior fragte mich, was das jetzt gewesen sei. Nun, nach zwei Wochen mit Sonne war der Junge relativ braun, seine Haare waren dann noch heller als sonst, seine Augen eher blau als braun. Ich war dunkelhaarig mit sehr heller Haut unzähligen Sommersprossen und wir hatten nicht denselben Nachnamen…

Veröffentlicht von Ute

utele bloggt - das ist die halbe Wahrheit, ich, Ute schreibe. Das Elefantenmädchen im Logo heißt utele. Dieses Blog gibt es seit 2007, was ich sonst so mache findet ihr jeweils auf: https://ute-hauth.de/

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