Mehr oder weniger lebenswert? Wie bitte?

Dirk schrieb heute „Ohne Worte“ und wies auf einen Artikel im Spiegel zu Spätabtreibungen hin, den Christine beschrieb, die nicht mehr viel kommentierte, weil es kaum besser als von Oliver Tolmein gesagt werden kann.

Ich mag trotzdem grad auch nach den Kommentaren bei Dirk noch was dazu schreiben.

Wie wohl alle werdenden Mütter hatte auch ich Angst davor, dass mein Kind nicht gesund sein könnte.

Für mich war jedoch immer klar, ich würde es nicht untersuchen lassen, denn ich würde es nicht abtreiben.

Für mich war andererseits immer ebenso klar, dass der §218 keine Lösung ist, für manche Situationen. Die „Küchentisch- Hinterzimmerabtreibungen die es es da gab konnten es auch nicht sein. Für mich sollte das jede in der jeweiligen Situation mit sich klären, nicht mit dem Gesetz.

Ja, es gibt keinen nachvollziehbaren Grund für eine willkürliche Grenze, aktuell die 12. Woche einer Schwangerschaft. Sie ist auch historisch gewachsen, denn inzwischen könnte man sie durchaus vorverlegen, es ist immer früher sicher möglich eine Schwangerschaft festzustellen.

Noch viel weniger als die 12. Woche jedoch kann es für mich sein, dass es gar keine Grenze geben soll, je nachdem ob das Kind gesund ist.

Ich fand schon immer, dass die Untersuchungen in der 20. Woche zu spät sind, um noch etwas zu ändern. Trotzdem sind sie unter gewissen Umständen Standard, z.B. bei sogenannten Spätgebärenden.

Die 34. Woche klingt für manche vielleicht noch nicht nach viel, aber anders ausgedrückt ist das sechs Wochen vor der Geburt, das ist der Zeitpunkt indem die Schwangere das Schlimmste geschafft hat, denn nun ist das Kind fast immer lebensfähig.

Ich hatte nach dem Hinweis auf die 34. Woche im Grunde schon keine Lust mehr den Spiegelartikel weiterzulesen.

Ich könnte noch verstehen, dass jemand der keine Kinder hat, da noch theoretisch an Abtreibung denken kann.

Aber die Kindsbewegungen sind selbst bei Erstgebärenden ab der 20. Woche spürbar. Wie man 14 Wochen später auch nur überlegen kann diese Beziehung zum eigenen Kind wieder zu beenden und das Kind zu töten, wird mir niemals nachvollziehbar sein.

Wenn es richtig sein kann, ein Kind da noch zu töten, dann wäre die Konsequenz auch zu jedem späteren Zeitpunkt aus denselben Gründen zu töten.

Ich kenne das Gefühl wenn einem bei einem gesunden Kind später gesagt wird, es wird durch die Krankheit vielleicht nie mehr selbständig atmen können und vielleicht vom Hals abwärts gelähmt sein. Ich weiß wie es ist, zwei Wochen mit dieser Angst zu leben und auch danach vieles noch nicht zu wissen.

Damals habe ich mir vieles überlegt, ich stellte einiges in Frage insbesondere mich. Allerdings gab es keinen Moment, in dem ich daran dachte, dass es besser wäre mein Kind stirbt, als es wäre gelähmt. Schon möglich, dass es nach neun Jahren mit einem gesunden Kind einfacher so zu denken.

Doch so wirklich glaube ich das nicht, denn ich weiß meine Einstellung zu Abtreibungen war schon als Teenager nicht anders als heute, das Recht sollte es geben und für mich käme es nie in Frage.

Veröffentlicht von Ute

utele bloggt - das ist die halbe Wahrheit, ich, Ute schreibe. Das Elefantenmädchen im Logo heißt utele. Dieses Blog gibt es seit 2007, was ich sonst so mache findet ihr jeweils auf: https://ute-hauth.de/

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