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Blut und Knochenmark spenden dürfen bei weitem nicht alle…

22. Juni 2014 Ute

CSD Stuttgart 2012 Piraten DigitalDesignTeam

Es geht um gleiche Rechte, deshalb ein Bild vom CSD in Stuttgart 2012

Ich mache es ja selten, aber heute meine ich, dass es wichtig ist einen Beitrag in voller Länge hier erneut zu veröffentlichen. Offenbar ist es noch immer vielen nicht bekannt, dass es Spendenwillige von Blut und Knochenmark gibt, die jedoch einfach nicht spenden dürfen.

Dass Petitionen viel bewirken glaube ich ja nicht, aber ich sie können ein Thema bewusster machen und deshalb habe ich unterzeichnet. Untenstehend der vollständige Beitrag von @kpeterlBW wie er ihn in seinem Blog veröffentlicht hat:

#BuntSpenden unterstützen, denn es gibt kein Blut erster und zweiter Klasse

tl;dr Menschen aufgrund von Vorurteilen vom Blutspenden auszuschließen ist nicht nur diskriminierend, sondern auch nicht hilfreich! Darum „Bunt Spenden“ unterstützen und hier unterschreiben

.
Diesen Sommer wird Flagge gezeigt, und das nicht nur beim Fußball. Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD), der Christopher Street Day e. V. Berlin und DDB Tribal Berlin starten eine Petition gegen eine immer noch aktuelle Diskriminierung: Bi- und homosexuelle Männer dürfen hierzulande auch 2014 kein Blut spenden. Los geht’s mit einem echten Heimspiel vor 700.000 Menschen auf dem Christopher Street Day (CSD) am 21. Juni 2014.“ Mit diesen Worten kündigt der LSVD die Aktion „Bunt Spenden“ an. Die Frage, ob ihr Blut schlechter ist als das Anderer, stellen sich seit Jahren viele Menschen.

In Deutschland gibt es Blut erster und zweiter Klasse

Wer als Mann einmal (!) in seinem Leben Sex mit einem Mann hatte, darf sein ganzes Leben lang weder Blut noch Knochenmark spenden. Wenn er lebend Organe spenden will, so darf ein Arzt ihn, ohne weitere Begründung von der Spende ausschließen. Einzig Toten wird in der Bundesrepublik dem Mann der (einmalige) Sex mit einem Mann verziehen.

Doch nicht nur Einmaliger Sex mit einem Mann ist ein Ausschlussgrund bis zum Grab.

Du hast als Sexarbeiter oder Sexarbeiterin gearbeitet? Ausschluss bis zum Tod von Blut- und Knochenmarkspenden ist die Strafe.

Du hast mal Drogen gespritzt oder geschnupft? Dein Lebensrettendes Blut oder Knochenmark wollen wir nicht.

Im Jahre 2014 werden Menschen, die Zeitweise oder immer ein leben außerhalb spießiger Moral und Wertvorstellungen leben wollen oder auch nur Einmalig gegen diese verstoßen und sich z. B. sexuell ausprobieren und mit einem Mann einlassen, Prostituieren oder Drogengebraucher sind, stigmatisiert.[1]

Mit der Begründung einer erhöhten Ansteckungsgefahr von Geschlechtskrankheiten wird tausenden von Männern eine Blutspende verwehrt.

Dies geschieht sogar in Notfällen, wenn seltene Blutgruppen dringend benötigt werden.

Doch ist dieses Gebaren tatsächlich noch realitätsnah?

Viele Landesverbände der Piratenpartei sehen das inzwischen anders. So haben die Landesverbände Sachsen, Brandenburg und Baden Württemberg hierzu ganz klar Position bezogen.

Die grundsätzliche Zulassung aller Menschen zur Blutspende

Sie fordern eine grundsätzliche Zulassung aller Menschen zur Blutspende.

Hierzu zählen wir insbesondere bislang ausgegrenzte Gruppen wie MSM (Männer, die Sex mit Männern haben), weibliche und männliche Sexarbeiter sowie Drogenkonsumenten, die Drogen intravenös (I.v.) anwenden oder schnupfen. [2]

“Unzweifelhaft gilt: Die Qualität von Blutprodukten muss gewährleistet bleiben und rechtfertigt weiterhin den begründeten Ausschluss von einzelnen Menschen von der Blutspende. Sie dürfen, bei Risikoverhalten, zum Schutz anderer Menschen, von der Blutspende ausgeschlossen werden. Hierfür ausschlaggebend soll jedoch das individuell tatsächlich vorliegende Risikoverhalten und nicht ein hergeleitetes Gruppenverhalten sein.” [3]

Denn es ist nicht plausibel eine ganze Gruppe von Menschen zu diskriminieren, weil einem geringer Prozentsatz dieser Gruppe ein höheren Risikofaktor zugerechnet wird.

So bitter es klingt: halten wir es uns vor Augen das Guido Westerwelle zu seiner eigenen Rettung aktuell weder Knochenmark noch Blutspenden dürfte.  (Satz war anders geplant, siehe untenstehenden Kommentar des Autors deshalb diese Version gestrichen.) So bitter es klingt: halten wir es uns vor Augen das der Lebensgefährte von Guido Westerwelle, Michael Mronz, zu dessen Rettung aktuell weder Knochenmark noch Blut spenden dürfte.

Für mich gilt, das die Blutspenderauswahlkriterien risikobezogen, unabhängig von der sexuelle Orientierung und anderen, die persönlichen Lebensumstände betreffenden Faktoren, gefasst werden müssen. Die für die Ausgestaltung der Blutspende-Richtlinien.

„Bunt Spenden“ unterstützen

Ein erster Schritt um zu beginnen ist, die folgende Petition durch eure Unterschrift zu unterstützen: „Bunt Spenden“, denn es gibt kein Blut erster und zweiter Klasse!

Ich habe schon unterzeichnet, wann tust du es?

Anmerkungen

Dieser Blogpost entstand nach einer Idee von Sandra @Raven2012_SN Willer zur Unterstützung der Aktion des @LSVD Daraufhin haben wir diesen Blogpost geschrieben und hier und bei mir veröffentlicht. Ich bitte euch: übernehmt ihn und veröffentlicht ihn auf euren Blogs. Es gilt, 50000 Unterschriften zu erreichen.

[1] http://kpeterl.wordpress.com/2012/06/29/giftiges-blut/

[2] Die Piraten Thüringen setzen sich zwar auch für eine Überarbeitung der Richtlinien zur Gewinnung von Blutprodukten ein, fordern aber keine grundsätzliche Zulassung aller Menschen zur Blutspende http://wiki.piraten-thueringen.de/TH:Landesparteitag_2013.3/Antragsportal/Sonstiger_Antrag_-_003

[3] siehe hier http://www.janschejbal.de/piraten/antragsviewer122/#antrag=PAPA564 und hier http://lptbw.de/wp-content/uploads/Antragsbuch-LPT-2014.pdf

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Der Beitrag wurde am Sonntag, den 22. Juni 2014 um 01:03 Uhr veröffentlicht und wurde unter nachdenkliches, mit dem Kurzlink
http://www.utele.eu/blog/?p=7206 abgelegt.

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8 Reaktionen zu “Blut und Knochenmark spenden dürfen bei weitem nicht alle…”

  1. creezy sagt:

    D’accord!

    Aber den Satz würde ich streichen, er ist inhaltlich nicht korrekt: Natürlich darf Westerwelle eine Eigenblutspende abgeben. Eigenblutspenden sind ein ganz anderes Thema. Und Knochmark wird ein Leukämie-Kranker zu seiner Rettung wohl eher nicht spenden. Also der Satz ist inhaltlich schief.

    „So bitter es klingt: halten wir es uns vor Augen das Guido Westerwelle zu seiner eigenen Rettung aktuell weder Knochenmark noch Blutspenden dürfte.”

  2. Ute sagt:

    @creezy stimmt, der Satz ist nicht eindeutig formuliert. Ich gebe das mal an die Autoren weiter.

  3. Peter sagt:

    Stimmt, der satz war auch so geplant: “So bitter es klingt: halten wir es uns vor Augen das der Lebensgefährte von Guido Westerwelle, Michael Mronz, zu dessen Rettung aktuell weder Knochenmark noch Blutspenden dürfte.”

  4. Ute sagt:

    @Peter, danke für die prompte Antwort und ja, so passt es. :)

  5. Rick, Hamburg sagt:

    Ich bin *so* verärgert über das Blut- und Knochenmarkspendeverbot für Schwule, dass ich sagen möchte: “Lasst sie doch verrecken.”

    Böse – ich weiß.

    Warum aber soll ich darum betteln, dass die Menschheit meine Zellen oder gar Organe entgegenzunehmen bereit wäre? Der Bedarf scheint so groß dann doch nicht zu sein?

    Oups! Die Bedürftigen wurden nicht gefragt? Warum auch: Das DRK, die DKMS usw. werden schon wissen, warum sie uns explizit ausschließen. :/

    Selbstverständlich bin ich hilfsbereit! Ich werde mich aber nicht zum Outing nötigen lassen, noch zu lügen – oder gar eine falsche eidesstattliche Versicherung abgeben. Schade um jede verpasste Chance!

    Herzliche Piratengrüße aus Hamburg
    Dein Rick

  6. Ute sagt:

    @Rick Siehste, einfach weg mit diesem Universalverbot und alles ist gut. Denn dann können alle selbst entscheiden ob sie spenden möchten.

  7. Rick, Hamburg sagt:

    Hi Ute,

    ich habe Deinen Blogpost und Deine Antwort zum Anlass genommen, mich bei der DKMS zu bewerben:

    “ich möchte mich sehr gerne als potenzieller Knochenmarkspender registrieren lassen und bin auch bereit, die anfallenden Kosten gegen Spendenbescheinigung zu tragen.
    Allerdings muss ich Sie darauf aufmerksam machen, dass ich keine Angaben zu meiner sexuellen Orientierung machen möchte. Ich vertraue auf Ihr Verständnis!”

    Mal schauen, ob die Reaktion positiv ausfällt.

    Herzliche Piratengrüße
    Dein Rick aus Hamburg

  8. Ute sagt:

    @Rick Gute Idee, danke dir, ich bin gespannt.

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