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Panikmache Schweinegrippe oder doch bedenklich?

17. Juli 2009 Ute

Von den ersten Berichten der Schweinegrippe ließ ich mich kaum beeindrucken. Infos zur Schweinegrippe liefert unter anderem die Wikipedia unter Schweineinfluenza und unter Influenza-Pandemie 2009.

Nach den Schlagzeilen in den Medien fühlt es sich an, als wären doch die meisten Schweinegrippenfälle tödlich, dagegen sprechen die Zahlen, die Wikipedia für Europa liefert Stand 16. Juli 2009:

Land Erkrankte Personen Todesfälle
Vereinigtes Königreich 9.718 14
Deutschland 834 0
Schweiz 184 0
Österreich 48 0

Bislang also weder in Deutschland, noch in der Schweiz oder in Österreich ein Todesfall.

Roland war in letzter Zeit ja häufiger in England, so auch bis letzten Freitag. Wie man an den Zahlen sieht gibt es dort erheblich mehr Fälle von Schweinegrippe als in D-A-CH.  Diese Woche arbeitete er eigentlich wieder mal in Winterthur, Schweiz.

Doch an einem Tag kam er viel zu früh nach Hause, mit dem Hinweis einer der Kollegen, mit denen er zwei Wochen enger zusammen gearbeitet hatte, habe die Schweinegrippe. Deshalb solle er jetzt erstmal zu Hause bleiben. Zunächst hatte er noch keinerlei Symptome, doch am nächsten Morgen kamen Halsweh und Ansätze von Heiserkeit, die auch Schweinegrippesymptome sein könnten. Auch das fehlende Fieber, könnte anfangs noch sein. Beim Arzt wurden zwei Tests gemacht, der eine gibt nach wenigen Stunden Auskunft über Grippe, ist jedoch bezogen auf die Schweinegrippe nicht aussagekräftig. Der andere Test braucht zwei Tage, um zu einem Ergebnis zu kommen.

Halsweh und Heiserkeit wurden stärker, höheres Fieber kam nicht, aber das Gefühl war komisch. Vorsichtshalber haben wir alle Menschen benachrichtigt, mit denen Roland in der Zeit zwischen seiner Rückkehr und dem Zeitpunkt des Verdachts Kontakt hatte.

Warten gehört nicht zu meinen stärksten Seiten. Ich suchte mir ein paar Informationen zum Thema, z.B. unter schweinegrippe-deutschland.de und bei einigen anderen Seiten. Sehr schnell wurde klar, dass sich die Informationen teils widersprechen, schon die Inkubationszeit lag mal bei bis zu vier, mal bei sieben Tagen. Deshalb beschloss ich recht schnell, es zu lassen und einfach abzuwarten, was das Ergebnis bringt.

Kurz hatte ich überlegt, ob ich darüber auch öffentlich schreiben kann, ich hatte durchaus schon bei anderen davon gelesen. Ich fand jedoch, ich wolle keine weitere Panikmache unterstützen, deshalb wollte ich das Ergebnis abwarten.

Seit vorhin ist klar, es ist _keine_ Schweinegrippe, die Symptome sind eine einfache Erkältung, die Tests waren eindeutig negativ. Wäre es Schweinegrippe so hätte es inzwischen auch mal Fieber geben müssen. Roland krächzt zwar etwas komisch und ist viel leiser, als gewohnt, aber es ist kein Fieber dabei. :)

Ich bin jetzt, ebenso wie er, doch ziemlich erleichtert.

Jetzt meine ich, ist es wichtig darüber zu schreiben, ich denke die Panikmache, die vielen das Gefühl gibt, die Schweinegrippe verlaufe immer und sofort tödlich, die sollte aufhören. Selbst die 14 Todesfälle in England bedeuten gerade mal 0,14% tödlich verlaufender Fälle. Im Vergleich dazu, bei einer Krebsdiagnose in Deutschland jährlich 395.000 Menschen,  verläuft noch immer fast die Hälfte aller Fälle tödlich.

Ich denke es wird Zeit die Schweinegrippen-Panik zu relativieren und nicht nur Angst zu schüren, sondern mal zu beobachten, wie gefährlich und häufig die Erkrankung tatsächlich ist.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 17. Juli 2009 um 11:17 Uhr veröffentlicht und wurde unter nachdenkliches, mit dem Kurzlink
http://www.utele.eu/blog/?p=2441 abgelegt.

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24 Reaktionen zu “Panikmache Schweinegrippe oder doch bedenklich?”

  1. Dirk Deimeke sagt:

    Das sehe ich genauso. Wie überall sonst, ist auch hier der gesunde Menschenverstand gefragt und Panik sollten wir uns nicht machen lassen.

  2. Ute sagt:

    Jep, ist aber so ganz akut erstmal gar nicht so einfach… 😉

  3. Roman sagt:

    Ui, das ist aber eine gute Nachricht! Freut mich für Euch. Geht uns auch so, dass uns gewisse Dinge erst dann interessieren, wenn wir uns betroffen fühlen.

    Grüsse aus dem fernen Süd-Osten!

  4. Ute sagt:

    Roman: Ui, das ist aber eine gute Nachricht! Freut mich für Euch.

    …und uns erst! 😉

    Dann mal weiterhin wunderschönen Urlaub im Südosten, Grüße an Elife und Ruben

  5. Dirk Deimeke sagt:

    @Ute (3.): Ja, klar, ich habe nur einen anderen Bezug dazu … liegt vielleicht an der Ausbildung.

  6. Ute sagt:

    Dirk Deimeke: Ja, klar, ich habe nur einen anderen Bezug dazu … liegt vielleicht an der Ausbildung.

    Nein, ich glaube nicht, bei Krankheit bin ich empfindlich seit 1998, siehe: Serie: Es ist an der Zeit…

    Krankheit ist so ziemlich das Einzige, bei dem ich völlig machtlos bin und nichts tun kann, das passt nicht zu meinem Umgang mit Herausforderungen und Problemen.

  7. Dirk Deimeke sagt:

    Weisst Du, ich bin ausgebildeter Rettungssanitäter und habe schon sehr viel erlebt, die Gültigkeit dieser Ausbildung ist allerdings schon einige Jahre abgelaufen. Meine Mutter ist schwer krebskrank und das schon seit Jahren. Sie hat in Ihrer bewegten Krankengeschichte etwa 15 Jahre in Krankenhäusern verbracht. Krankheiten, auch sehr schwere, begleiten mich mein ganzes Leben. So schnell bringt mich da nichts mehr aus dem Gleichgewicht …

  8. Ute sagt:

    Ich habe schon einiges gesehen und ich bin auch nicht empfindlich. Mal eben einem Arzt beim Nähen der Kopfwunde meiner Mutter das Besteck halten, weil nachts grad sonst niemand da war, das macht mir nicht viel. Meine Mutter starb an Krebs, das sah nicht gut aus.

    Als mein Großvater, der für mich Vaterersatz war den ersten Herzinfarkt hatte war ich acht Jahre alt. Danach gab es viele Gründe für Krankenhausaufenthalte.

    Für mich gibt es jedoch zwei Seiten:
    Ich funktioniere perfekt auch in jeder solchen Situation, ich war als Einzige dabei als mein Großvater starb.

    Aber das ändert absolut nichts daran, dass ich Krankheit als das Schlimmste empfinde, was so passieren kann. Denn ich kann nur da sein, unterstützen, aber wirklich ändern kann ich nichts.

    Für mich ist das schlimmste Gefühl überhaupt:
    Machtlosigkeit

    Hab ich jetzt klarer erklärt, welchen Unterschied ich meine?

  9. Ute sagt:

    Dirk Deimeke: Mit meinem Beitrag wollte ich auch nur sagen, dass ich mich mit der Hilfs- oder Machtlosigkeit arrangiert habe

    Gut, dann habe ich dich falsch verstanden, weil ich von mir ausging. Mit Machtlosigkeit arrangieren ist für mich unvorstellbar, darauf kam ich nicht.

    Hm, du wirst es nicht glauben, aber mir wäre nicht aufgefallen, dass du nicht die korrekte Bezeichnung genutzt hast. 😉

  10. Dirk Deimeke sagt:

    Ich habe Dich absolut richtig verstanden. (Mit meinem Beitrag wollte ich auch nur sagen, dass ich mich mit der Hilfs- oder Machtlosigkeit arrangiert habe).

    Und korrigieren muss ich mich auch noch, ich war kein Rettungssanitäter, das hiess “Sanitätshelfer aller Fachdienste”.

  11. Dirk Deimeke sagt:

    Hat das nicht auch etwas damit zu tun, “die Kontrolle abgeben zu können”? Und das tun wir tagtäglich, warum sollte die Gesundheit/Krankheit da eine Ausnahme sein? Vermutlich kann man dem aber nicht mit Logik beikommen, oder?

    Der Unterschied liegt in der Ausbildung, Sanitäter ist ein Lehrberuf (obwohl ich gerade in der Wikipedia sehe, dass ich mich so auch nennen darf). Also, Rettungssanitäter ist ein Lehrberuf, der Sanitätshelfer macht nur drei Monate Ausbildung, einen Monat Theorie, einen Monat in der der Ambulanz eines Krankenhauses und einen Monat auf dem Rettungswagen.

  12. Ute sagt:

    Dirk Deimeke: Hat das nicht auch etwas damit zu tun, “die Kontrolle abgeben zu können”?

    Doch natürlich.

    Dirk Deimeke: Und das tun wir tagtäglich, warum sollte die Gesundheit/Krankheit da eine Ausnahme sein?

    Nein, das tue ich nicht tagtäglich bei Dingen, die mir wichtig sind. Ich unterscheide da sehr genau. Und bei fast allen anderen Punkten kann ich jederzeit umentscheiden und gebe die Kontrolle dann eben nicht ab.

    Bei Krankheit fehlt die Wahlmöglichkeit.

    Dirk Deimeke: Vermutlich kann man dem aber nicht mit Logik beikommen, oder?

    Kontrolle abgeben hat wenig mit dem Kopf zu tun. Denn natürlich logisch betrachtet, bin ich einfach nicht kompetent, wenn es um Krankheit geht, also muss ich die Behandlung logischerweise jemand überlassen, der das kann.

    Ganz einfach. Logisch betrachtet kein Problem.

    Aber das hilft mir nicht, denn ich will immer die Wahl haben, mir aussuchen, ob ich jetzt gerade in diesem Moment, in dieser Situation abgeben will. Und genau das geht eben nicht. Damit passt dann das Gefühl nicht mehr. Der Bauch interessiert sich nicht für Logik.

    Warum wird man Sanitätshelfer?
    Was genau macht man dann damit?
    Also ist das noch ehrenamtlich oder ist das ein Beruf zum Geld verdienen? Arbeitet man dann Vollzeit oder eher teilweise, wie z.B. bei der freiwilligen Feuerwehr?

  13. Dirk Deimeke sagt:

    Meiner Meinung nach spielt das in der gleichen Liga wie meine Höhenangst. Logisch habe ich das geklärt, dass Höhen kein Problem. Meine Knie halten sich nur leider nicht an die Logik …

    Da bin ich ganz Deiner Meinung.

    Ja, ich war bei der freiwilligen Feuerwehr und beim Bund …

  14. Dieter sagt:

    Freut mich für Euch, dass es keine Schweinegrippe war.

    Auch ich habe den Eindruck, dass in großem Umfang eine übertriebene Berichterstattung über die Schweinegrippe erfolgt(e). Da tut Dein sachlicher Blogbeitrag mit Fakten gut.

    Allerdings geht die große Gefahr auch nicht von dem aktuellen Schweinegrippe-Virus aus, sondern der Möglichkeit seiner Mutation, die dann zu einer Pandemie mit vielen Toten führen könnte, wenn nicht zuvor ein Impfstoff zur Verfügung steht und zum Einsatz kommt.

    Irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass im Falle einer gefährlichen Mutation des Schweinegrippe-Virus sogar die Menschen, welche die Schweinegrippe schon hatten, möglicherweise dann aufgrund von Antikörpern gegen den Schweinegrippe-Virus auch dagegen immun sein könnten. Für Menschen, welche einmal die sogenannte Spanische Grippe hatten, scheint das für den Schweinegrippe-Virus zuzutreffen (siehe hierzu bspw. folgenden Artikel bei Spiegel-Online ).

  15. Ute sagt:

    Dirk Deimeke: Meiner Meinung nach spielt das in der gleichen Liga wie meine Höhenangst. Logisch habe ich das geklärt, dass Höhen kein Problem. Meine Knie halten sich nur leider nicht an die Logik …

    Fein, dann sind wir uns einig, genauso ist das. Ich wusste nicht, dass du Höhenangst hast, sonst hätte ich das als Beispiel genommen. 😉

    Dirk Deimeke: Ja, ich war bei der freiwilligen Feuerwehr und beim Bund …

    Ähm und auch noch Sanitätshelfer, wann und wie?

  16. Ute sagt:

    Dieter: Auch ich habe den Eindruck, dass in großem Umfang eine übertriebene Berichterstattung über die Schweinegrippe erfolgt(e). Da tut Dein sachlicher Blogbeitrag mit Fakten gut.

    Danke, ich fand es dringend nötig mal sachlich zu berichten, denn die Fakten gehen vor lauter Panikschlagzeilen fast unter.

    Dieter: Allerdings geht die große Gefahr auch nicht von dem aktuellen Schweinegrippe-Virus aus, sondern der Möglichkeit seiner Mutation, die dann zu einer Pandemie mit vielen Toten führen könnte, wenn nicht zuvor ein Impfstoff zur Verfügung steht und zum Einsatz kommt.

    Das aktuelle Virus ist ja bereits mutiert und nicht mehr dasselbe wie ursprünglich. Ich denke eine Gefahrenquelle ist die Panikmache, denn das Virus ist durch übermäßigen Gebrauch von Mitteln dagegen schon gegen manchen Wirkstoff immun.

    Dieter: Für Menschen, welche einmal die sogenannte Spanische Grippe hatten, scheint das für den Schweinegrippe-Virus zuzutreffen

    Das las ich auch schon mehrfach, das ist doch schon mal beruhigend dass die Immunisierung des alten Virus auszureichen scheint.

  17. Dirk Deimeke sagt:

    Über die freiwillige Feuerwehr und meine Zeit im Katastrophenschutz (<- Sanitäter) können wir uns einmal offline unterhalten.

    Mit meiner Höhenangst habe ich kein Problem, ich muss nur damit leben … (daher musst Du Dir keine Gedanken über die Erwähnung machen).

    Mit der Panikmache habe ich das Problem, dass es einfach hochgekocht wird. Wir wissen alle, dass Nikotin einer der Hauptverursacher von Lungenkrebs ist; wir wissen auch, dass Benzol stark krebserregend ist; und, dass das Infarktrisiko in Grossstädten um den Faktor fünf (oder sogar zehn) höher ist als auf dem Land … trotzdem schränken wir das Rauchen nicht ein, fahren weiter Auto und wohnen in Grossstädten … (das sind alles nur Beispiele).

  18. Ute sagt:

    Dirk Deimeke: Über die freiwillige Feuerwehr und meine Zeit im Katastrophenschutz (< - Sanitäter) können wir uns einmal offline unterhalten.

    Wie jetzt offline, so persönlicher Kontakt ganz ohne Computer… 😉

    Dirk Deimeke: Mit der Panikmache habe ich das Problem, dass es einfach hochgekocht wird. Wir wissen alle, dass

    Ja, der Punkt ist hierbei vor allem, dass manches gefährlicher und besorgniserregender ist, als die Schweinegrippe. In den Medien kommt das jedoch gar nicht mehr raus. Deshalb finde ich es wichtig auch mal die Sachlage nach Fakten darzustellen.

  19. Dirk Deimeke sagt:

    Ja, ganz ohne Computer :-)

    Dass Du den Artikel zur Klärung geschrieben hast, finde ich auch gut. (Ich meine sogar gelesen zu haben, dass der Strassenverkehr gefährlicher als die Schweinegrippe ist. Die Quelle habe ich leider nicht mehr …).

  20. Ute sagt:

    Dirk Deimeke: Ja, ganz ohne Computer :-)

    Ups! :roll:

    Dirk Deimeke: (Ich meine sogar gelesen zu haben, dass der Strassenverkehr gefährlicher als die Schweinegrippe ist. Die Quelle habe ich leider nicht mehr …).

    Da braucht es wenig Quelle, Wikipedia schreibt zu Straßenverkehrstoten in Deutschland für 2008:

    4.477 Tote

    Schweinegrippe mit tödlichem Verlauf in Deutschland bisher 0 Todesfälle…

  21. bruno sagt:

    Eine gute Informationsquelle finde ich diesbezüglich immer noch die Info-Seiten der Gesundheitsministerien:
    – Deutschland: http://www.bmg.bund.de/cln_100/nn_1605522/sid_9E9A0934869C2636ED0EC6E7624D72FF/nsc_true/SharedDocs/Standardartikel/DE/AZ/S/Glossarbegriff-Schweinegrippe.html?__nnn=true

    – Schweiz: http://www.bag.admin.ch/influenza/06411/index.html?lang=de

    Panikmache hilft bei dem Thema gar nichts. Risikogruppen (die gleichen wie bei saisonaler Grippe – chronisch Kranke, Schwangere, Kinder, etc.) sollten aber entsprechend vorsichtig sein.

    Gruss
    Bruno

  22. Ute sagt:

    bruno: Eine gute Informationsquelle finde ich diesbezüglich immer noch die Info-Seiten der Gesundheitsministerien

    Stimmt, danke ein guter Tipp. :)

  23. […] Juli Zunächst hatte er noch keinerlei Symptome, doch am nächsten Morgen kamen Halsweh und Ansätze von Heiserkeit, die auch Schweinegrippesymptome sein könnten. Panikmache Schweinegrippe oder doch bedenklich? […]

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