Verkehrte Welt?

Althaus wurde verurteilt schreibt die tagesschau.de und auch einige andere. Erwähnt wird noch, dass er noch in der Reha ist, das hört man hier in Konstanz natürlich ständig, Prominenz ist immer ein Grund für Berichterstattung, insbesondere da die Klinik direkt in Konstanz und in Allensbach Patienten betreut. Außerdem steht da noch was er politisch weiter macht und der folgende Text:

„Althaus war am Dienstag in einem Schnellverfahren zu einer Geldstrafe von 33.000 Euro verurteilt worden. Zudem muss er 5000 Euro Schmerzensgeld an die Familie des Opfers zahlen. Er hatte das Urteil durch seinen Verteidiger sofort angenommen.
Am Neujahrstag war Althaus bei einer Abfahrt im Skiurlaub in Österreich mit einer 41-Jährigen zusammengestoßen, die an den Folgen des Unfalls verstarb. „

Es gab ein Urteil, das sein Verteidiger sofort annahm und auch die Staatsanwaltschaft hat die Einspruchsfrist verstreichen lassen.

Verhört?

Zuerst hörte ich das Urteil am Dienstag im österreichischen Radio, erst dachte ich, ich hätte mich verhört, doch die ausführlichere Berichterstattung bestätigte die Meldung.
Na denn…
Ich nahm dann an, dass es Diskussionen dazu geben wird. Tja, die gab es schon, aber nicht über das was ich erwartete. Es ging um die Geschwindigkeit des Termins, um das „nicht-ganz-vorbestraft-Urteil“, seine weitere Karriere und teils klang es noch nach:
„Er muss nicht nur die Strafe, sondern auch noch Schmerzensgeld zahlen“.

Wie bitte?

Der arme österreichische Staat hatte mit dem Unfall soviel Aufwand, dass er dafür über die Strafe von 33.000 Euro einen Ausgleich bekommt. Aha.
Die Familie, also der Ehemann und die Kinder denen entstand nur ein minimaler Schaden, etwa 1/6 dessen, was dem Staat entstand?

Oder gibt es eine andere Erklärung, warum die Familie gerade mal die Bestattungskosten bekommt, der Staat jedoch mehr als das Sechsfache an Geldstrafe?

Was habe ich jetzt falsch verstanden, dass anscheinend nur ich meine, dass man über vieles diskutieren kann oder auch nicht, aber ganz verkehrt sind für mich die Zahlen.

Wäre es umgekehrt und die Familie bekäme 33.000 Euro, dann wäre es noch immer nicht viel und schon gar kein Ersatz, aber doch wenigstens etwas näher am Verhältnis des Schadens.

Für mich ist das eine verkehrte Welt.

Aktualisierter Nachtrag nach Kommentar von onli

onli machte mich auf einen Beitrag im Spiegel aufmerksam, in dem jetzt stand, dass es doch noch weitere Ansprüche geben wird:

„Damit können nun auch die zivilrechtlichen Ansprüche der Hinterbliebenen geregelt werden. Weil die Frau recht gut verdiente und ein einjähriges Kind hinterlässt, können sich die Schadensersatzforderungen nach Expertenansicht auf einen hohen sechsstelligen bis siebenstelligen Betrag addieren.

Die beteiligten Anwälte wollten sich jedoch zu konkreten Zahlen nicht äußern.’Wir haben noch nicht zusammengerechnet und außerdem Stillschweigen über die Summe vereinbart‘, sagte der Anwalt des Ehemannes der Verstorbenen, Alexander Rehrl aus Salzburg. Althaus‘ Anwalt hatte erklärt, dass nach dem Gerichtsurteil nun auch der Schadensausgleich rasch geregelt werden soll.“

Gut, sehr gut, das klingt jetzt doch deutlich anders.

Mich wundert allerdings trotzdem, dass da bisher nicht darüber berichtet wurde, dieser Artikel ist vom heutigen Tag. Ich hatte jetzt von Dienstag an auf Berichte gewartet, die sich dazu äußern.

Veröffentlicht von Ute

utele bloggt - das ist die halbe Wahrheit, ich, Ute schreibe. Das Elefantenmädchen im Logo heißt utele. Dieses Blog gibt es seit 2007, was ich sonst so mache findet ihr jeweils auf: https://ute-hauth.de/

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4 Kommentare

  1. @onli
    Danke für den Hinweis, ich habe den Beitrag noch daraufhin ergänzt. Für mich bleibt trotzdem Verwunderung über die Berichterstattung, die es von Dienstag bis einschließlich Freitag wohl nicht für nötig hielt die Konsequenzen für die Familie zu erwähnen.

  2. Es ist für mich auch eine verkehrte welt weil das urteil in abwesenheit des angeklagten im schnellzugtempo abgewickelt wurde..und der gute herr dieter althaus musste nicht mal persöhnlich vor gericht erscheinen und eine persöhnliche einvernahme hat auch nicht stattgefunden..wenn solche vorgehensweise bei einer ordnungswidrigkeit angewendet wird kann ich das nachvollziehen, wenns aber um mord und körperverletzung geht leider nicht!

    Mein Post:
    http://www.honigbaerli.eu/2009/03/04/fahrlassige-totung-kostet-33000-euro/

  3. @Andy Hab deinen Beitrag schon gelesen, bevor ich meinen schrieb. Klar, kann man auch darüber diskutieren, ob es richtig ist, wie das ablief.

    Andererseits habe ich gelesen, dass er seinem Anwalt wohl weitreichende Vollmacht gab, um das Ganze zügig abzuschließen, selbst dann wenn es dadurch teurer wird.

    Ich bin nicht sicher, ob es irgendjemand geholfen hätte, wenn der Prozess erst später mit Althaus und viel Publicity stattgefunden hätte.

    Aus meiner Sicht ist es vor allem wichtig, dass die Familie wenigstens finanziell entschädigt wird, wenn schon an den tragischen Konsequenzen nichts mehr zu ändern ist.

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